Das Anglizismen-Monster schlägt zu!

Gestern schneite per Postkarte bei mir eine Einladung des Markenverbandes zu einer Veranstaltung auf den Tisch. Ich hatte diese noch nicht ganz zu Ende gelesen, da konnte man bei mir im Büro ein dumpfes Geräusch hören: Mein Kopf knallte auf die Tischplatte, als ich beim Lesen vor Schmerz ohnmächtig wurde. Ich zitiere aus der Einladung des Markenverbandes:

„Es ist uns eine besondere Ehre, dass die Bundeskanzlerin, Frau Dr. Angela Merkel, MdB, im Rahmen des vorabendlichen Get-Together „MarkenTreff 2009“ am 27. Mai um 19 Uhr eine Keynote-Speach halten wird.“

….$§$%³%$&??)&????%$…. Hä??? … %§…[shutdown] … §$§@@???%$&% …[restart] … ^߈²{}°°°°°????

Was bitte? Beim Get-Together hält die Bundeskanzlerin eine Keynote-Speeach!?!? Und dann stand da noch was von „SAVE THE DATE“. Aha. OK. Geht klar.

Frau Bundeskanzlerin, da Sie ja regelmäßig unser Blog lesen, frage ich Sie einfach: Wissen Sie eigentlich was da in der Einladung zu diesen Termin so über Sie geschrieben wird?

Oder anders: Sehr geehrte Person, die Sie diese Einladung verfasst haben: Sind Sie eigentlich der Meinung, dass es viel gebildeter klingen würde, wenn man statt allgemein verständlicher Wörter wie „Zusammenkunft“ oder „Treffen“ bzw. „programmatische Rede“ lieber anglistische Vokabeln verwendet, die Sie vielleicht beim VHS-Kurs „Snobismus für Anfänger“ mal in der Pause auf dem Klo aufgeschnappt haben?

Ich kann Ihnen versichern: Nein, klingt es nicht.

Nicht, dass ich es nicht auch manchmal für „cool“ (besser: „voll fett!“ ) oder gegebenenfalls auch für angebracht halten würde, gezielt für manche Sachverhalte „Slang“-Ausdrücke oder Fachwörter zu benutzen weil es einfach besser passt, angemessen ist, plakativer oder einfach witziger. Aber als Fremdwörter-Fetischist wahllos mit vermeintlichen Manager-Phrasen um sich zu schmeißen um den gequälten Leser davon überzeugen zu wollen, was für ein toller Hecht man ist, der für jedes normale deutsche Wort auch ein Fremdwort kennt, das finde ich schon ziemlich lächerlich.

Meine Meinung.

Siehe hierzu die Kommentare hier und ich empfehle auch die Seite Aktion Lebendiges Deutsch. Nicht jeden Vorschlag sollte man ernst nehmen, aber manche Wörter sind gar nicht so übel. Den Grundgedanken der Seite kann ich auf jeden Fall unterstützen. Und alles ist besser als solche Sprach-Furunkel wie „Keynote-Speeach“ oder „Get-Together“.

The End

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Frank Ehlerding (Controlling)

Frank Ehlerding (Controlling)

Controlling

27 KommentareSchreibe einen Kommentar

  • Ganz abgesehen davon, dass sich „Speech“ mit Doppel-E schreibt und nicht mit „ea“. Wenn schon Fremdworte, dann wenigstens richtig.

  • Ich kann mir vorstellen, das in „Meetings“, die der Autor der Einladung hält, die Anwesenden regelmäßig „Bingo“ rufen und er nicht weiß wieso…

    Einfach mal nach „Bullshit-Bingo“ suchen. 😀

  • Soweit alles schön, gut und richtig. Aber sitzt man anglizismentechnisch nicht im Glashaus, wenn hinter dem eigenen Namen in Klammern „Controlling“ steht?

  • Ich habe mir schon gedacht, dass irgend jemand diesen Einwand bringt. Aber klare Antwort: Nein.
    Controlling ist nun mal mittlerweile die gängige Norm für die Bezeichnung dieser Abteilung. Auch wenn ich es nicht besonders toll finde.

    Wenn ich mal statt „Homepage“ „Heimseite“ schreibe, verstehen die meisten trotzdem, was gemeint ist. Wenn ich statt „Keynote-Speech“ „programmatische Rede“ schreibe, verstehen sogar mehr Leute, was gemeint ist. Wenn ich mich aber bei einer Reederei statt als „Controller“ zum Beispiel als „Steuermann“ bewerbe, bekomme ich wahrscheinlich nicht den Posten, den ich haben will. Das gleiche gilt für „Marketing“.

    Anders sehe ich das bei neumodischen Bezeichnungen wie „Human Resources“ für „Personalwesen“ oder „Buyer“ für „Einkäufer“, wie das bei uns ja mittlerweile auch heißt.

  • Marketing = Verkaufsförderung, Absatzwesen, etc.
    Controlling = Unternehmenssteuerung

    Irgendwie weit weniger problematisch als gedacht 😉 .

    Martin S.

  • @ Martin S.
    Stimmt. Meinetwegen gerne. Aber trotzdem gilt: Ist leider schon so eingebürgert. Früher hieß das mal Betriebsabrechnung. Das entspricht zwar nicht mehr der gesamten Aufgabenbreite, aber der Schornsteinfeger sieht ja auch nach der Gastherme.

    @ Bops
    STOP, STOP(P), DOPPELSTOPP!!!!
    Ich dachte heute auf der Arbeit zuerst: Stimmt, was hab‘ ich da eigentlich gemacht. „Speech“ wird doch mit „ee“ geschrieben. Die Karte hatte ich leider mit nach Hause genommen und dort liegen gelassen. Jetzt wieder zu Hause sehe ich, dass ich doch nicht falsch abgeschrieben habe. Es steht dort mit „ae“. Also zurück dem Unsinn.

  • Schon „Controlling“ im Sinne einer Funktion innerhalb eines Unternehmens ist Pseudoenglisch. Googlen Sie mal „manager controlling berlin“ und dann „manager controlling arkansas“.

    George

  • Und das schlimme ist, daß die deutschen Wörter kaum noch jemand kennt.

    [Anm. d. Admin: Werbe-URL zu Ihrer „Made for Adsense“-Seite wurde laut Blog-Richtlinie entfernt.]

  • Bei sowas könnt ich auch immer ausrasten. Ich versteh ja, dass Englisch irgendwo für Manager, Übersetzer, Politiker etc. wichtig ist. Aber für nen normalen Deutschen, der vielleicht NIE nach England, USA etc. geht, der nur in Deutschland bleibt, nicht. Englisch ist meiner Meinung nach nur für eines wirklich gut. dass man sich im Urlaub zur Not auf Englisch verständigen kann. Mehr nicht. In Deutschland brauch ich kein Sale oder Outmarket oder wie die nochmal die Werkverkäufe nennen. Ich sag auch Hauptplatine. ich mach so Quatsch nicht mit.
    Witzig find ich immer beim DVD-Gucken „Drück mal auf PLAY“ statt „Spiel mal den Film ab“ bzw „Starte den Film“..

  • Auf eurer Frostaseite hab ich den Foodfinder entdeckt. Soll das ein Witz sein. Wenn man sich an deutsche Kunden wendet sollte man auch deutsch reden. So jetzt hab ich die Lust schon wieder verloren mich auf Frosta.de umzugucken. Toll

  • Hast Du denn eine Idee, wie man das „Ding“ besser nennen kann? Wurde hier schon einmal thematisiert, dass der Name auch intern nicht so richtig auf Zustimmung stößt. Wenn Du eine zündende Idee hast, her damit 🙂

  • Bei solchen Wort-Nazis wie bei der Aktion lebendiges Deutsch weiß ich immer nicht, ob ich schallend Lachen oder doch lieber kotzen soll.
    Eine Sprache lebt davon, das Worte aus anderen Sprachen gleichberechtig mit verwendet werden.

  • @ ToWi
    MOOOMENT MAL!!!
    Tja, zum Glück bin ich nicht das Marketing und deswegen schrecke ich auch an dieser Stelle nicht davor zurück, deutlich zu werden: Den Vorwurf „Wort-Nazi“ finde ich nicht nur schlimm, sondern absolut daneben und unangebracht! Ich glaube kaum, dass man Menschen wie den Bundestagspräsidenten Norbert Lammert oder gar den Liedermacher Reinhard Mey, die unter anderem die Aktion „Lebendiges Deutsch“ unterstützen, auch nur im Entferntesten in eine „braune“ Ecke stellen kann. Und mich bitte schön auch nicht! Mit Verlaub, aber auch wenn wir hier Kritik grundsätzlich nicht zensieren, sollte man doch mal überlegen, wem man hier was vorwirft!

    Sooo, gaaaanz ruhig, Herr Ehlerding, erst mal tiiieeefff durchatmen … 

    Richtig, eine Sprache lebt auch von Einbürgerungen aus anderen Sprachen. Aber darum geht es hier gar nicht. Es geht darum, dass man sich teilweise bedingungslos bis zur Lächerlichkeit mit dem Gebrauch insbesondere der englischen Sprache anbiedert, selbst wenn ein deutscher Ausdruck viel passender, gebräuchlicher und vor allem auch angebrachter wäre, und zwar nur, weil man meint, damit … hip … 😉 zu sein.

    Auch der ehem. Präsident der dt. Industrie, Hans-Olaf Henkel, der die Aktion ebenfalls unterstützt und, wie ich ihn einschätze, konservativ ist, aber mit Sicherheit auch kein Extremist, verzichtet nicht vollständig auf Fremdwörter wenn er in eine der vielen Gesprächsrunden auftritt. Aber man muss ihm zugestehen, dass, auch wenn man vielleicht nicht alle seine politischen Positionen teilen kann, er seine Standpunkte doch immer relativ verständlich rüber bringt, ohne aufgesetzt zu wirken. (Und das, obwohl gerade in seinen Kreisen – der Führungsetage der deutschen Wirtschaft – die Benutzung von Fremdwörtern wo es nur geht zum guten Ton zu gehören scheint.) Aber DAS ist für mich das Entscheidende wenn ich meinen Gesprächspartner verstehen und ernst nehmen will.

    Gegenbeispiel: Wenn einige deutsche Rapper in ihren Songs von Style und Flow reden, finde ich das ja sogar noch ganz witzig im positivem Sinne. Künstlerische Freiheit eben. Wenn der Song gut ist, egal. Aber wenn sie dann davon mit vollem Ernst im Interview erzählen, muss ich manchmal laut loslachen, weil es eben nicht halb so cool klingt, wie sie selber meinen. Man merkt einigen eben an, dass es nur dazu dient, die eigene selbst geschaffene Kunstfigur abzurunden und / oder sich der Szene anzubiedern.

    So, aber jetzt gehe ich lieber erst mal ‚ne Runde chillen … 😉

  • Noch eine Ergänzung: Auch Reinhard Mey lehnt die Benutzung anderer Sprachen ja nicht grundsätzlich ab. Früher hat er (unter dem Namen Frederick Mey) auch auf Französisch sogar in Frankreich große Erfolge gefeiert. Siehe hier: http://www.youtube.com/watch?v=L1SGfTqjjYs

    Die Franzosen selber sind ja noch viel strikter, was die Pflege ihrer Sprache angeht. Soweit ich weiß, müssen mindestens 2/3 der Lieder auf einem Radiosender auf französisch sein. Die tatsächlich freiwillig gespielte Quote liegt aber nach meinem Wissen sogar noch höher. Das finde ich zwar auch schon zuviel des Guten, trotzdem würde ich denen nicht mit solchen Vorwürfen kommen. Sie haben vielleicht einfach ein unverkrampfteres Verhältnis zur eigenen Sprache als wir.

  • @Frank Ehlerding:

    Also „unverkrampft“ würde ich das Verhältnis der Fransosen zu ihrer Sprache ja nicht gerade bezeichnen. Eine von der Obrigkeit aufoktroierte Quote würde ich eher Dogmatismus nennen. In Frankreich wird das ganze meiner Meinung nach in die andere Richtung übertrieben. Einen Computer als „ordinateur“ zu bezeichnen halte ich für extrem verkrampft.

  • Aber wie ich schon sagte (man möge mich da korrigieren, wenn ich falsch liege) liegt der tatsächliche französische Anteil im Radio noch über der vorgeschriebenen Quote. Also gehe ich davon aus, dass die Zustimmung bei den Zuhörern entsprechend ist. Das hat also mit oktroyieren schon nichts mehr zu tun.

    Und warum soll ein Franzose nicht ein französisches Wort für seinen Computer nehmen? „ordinateur“ = „Rechner“. Wenn ich erzähle, dass gerade mein Rechner abgestürzt ist, weiß auch jeder was gemeint ist, oder? Dass ich bei diesem Umstand anfange zu verkrampfen, liegt dann aber weniger am Gebrauch des deutschen Wortes„Rechner“. 😉

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