Wieso Schweisfurth Herta verkaufte

Nach dem FRoSTA Vortrag hat mich Karl-Ludwig Schweisfurth noch zu sich nach Hause eingeladen. Gegessen haben wir die von ihm in den Herrmannsdorfer Landwerkstätten traditionell zubereiteten Käse- und Wurstsorten. Schmeckt wirklich alles so wie man es im Geschäft praktisch nicht findet.

Er erzählte mir dann, dass er damals Herta an Nestle verkauft hat, weil er nicht verantworten wollte seine Produkte zu verschlechtern nur um dem Preisdruck des Handels nachzugeben. Auch damals war der Druck wohl schon extrem. Er hätte mit Herta nicht mehr so natürlich produzieren können wie er wollte und hat sich deshalb entschieden die Firma zu verkaufen. Mit dem Geld hat Karl-Ludwig Schweisfurth dann 1985 seine Stiftung gegründet.

Mich hat die Geschichte ziemlich beeindruckt. Auch wir sind ja mit unserem Reinheitsgebot ständig unter Druck und wir werden wohl auch wieder den einen oder anderen Handelskunden verlieren. Dazu später mehr.

Jedenfalls werden wir eines nicht mehr machen: unsere Produkte irgendwie billiger herstellen indem wir an guten Zutaten sparen. Das haben wir ja bis 2003 selbst gemacht, bevor wir das Reinheitsgebot eingeführt haben.

Damit hören wir auf, auch wenn es manchmal Umsatz und Marktanteile kostet!

PS: und unser Blogstammleser Gerhard Zirkel war auch auf der Gästeliste, leider hab ich ihn nicht getroffen!

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Felix Ahlers (Vorstand)

Felix Ahlers (Vorstand)

Seit 1999 arbeite ich bei FRoSTA und bin derzeit Vorstandsvorsitzender im Hamburger Büro.
Im Sommer spiele ich Tennis und Kitesurfe gerne! Und natürlich koche ich sehr gerne und manchmal bin ich mit dabei, wenn unsere Produktentwicklung an neuen Rezepten arbeitet...

6 KommentareSchreibe einen Kommentar

  • Wenn ich mich richtig erinnere, war es auch der Einfluss von Schweisfurths Kindern, der ihn zum Umdenken gebracht hat. Hat Herta denn jemals „so natürlich“ produziert?

    Was heißt das alles eigentlich für die meisten Hersteller? Sie können doch in Wahrheit gar nicht anders, als sich der Marktmacht des LEHs zu unterwerfen. Oder sollten alle an Nestlé verkaufen? Oder nur bei der Handelsware dem Druck nachgeben 😉

  • Hallo Herr Ahlers,

    ich stand nicht nur auf der Liste, ist war sogar da. Interessanter Vortrag, hat mit gut gefallen.

    ich war an dem Tag nur schon seit den frühesten Morgenstunden unterwegs und am Abend so müde dass ich schnellstens nach Hause wollte.

    Aber wir laufen uns schon noch über den Weg.

    Gerhard Zirkel

  • @Sebastian:

    Herr Schweisfurth sagte mir, dass er vor dem Verkauf an Nestle der erste Produzent in Deutschland war, der alle Zutaten auf den Packungen deklariert. Er war besonders stolz darauf – auf den Packungen stand: dies ist drin – und sonst nichts. Ähnlich wie heute bei uns.

    Nach dem Verkauf an Nestle wurde diese offene Deklaration dann aber eingestellt. „Nestle habe dies nicht verstanden“ sagte er.

    Zur 2. Frage: Am Ende entscheidet der Verbraucher. Wenn Produkte wirklich gut sind und vernünftig im Preis werden sie auch gekauft. Und dann wird auch der Handel diese Produkte führen – auch wenn man sicher manchmal Geduld mit dem Handel braucht!

  • @Felix:

    Vielen Dank für die schnelle Antwort! Das mit der offenen Deklaration wußte ich nicht und gerade vor dem Lichte der meisten Hersteller heute war das damals natürlich schon sehr fortschrittlich.

    Das mit dem Verbraucher ist natürlich so eine Sache. Solange ein Hersteller nicht direkt an Konsumenten vertreibt, ist er auf Absatzmittler wie den LEH angewiesen. Wenn der LEH nicht listet, kann „der Verbraucher“ auch nicht entscheiden.

    Anyway, ich beobachte, dass es in den unterschiedlichsten Produktbereichen langsam Nachahmer eurer Strategie gibt und bin ein absoluter Unterstützer konsequenter und nachhaltiger Strategien. Ihr habt es ja schon geschaftt und werdet es auch weiterhin schaffen, eure „handgeblasenen Erbsen“ dem Handel zu vermitteln. Dafür wünsche ich euch weiterhin viel Erfolg!

  • Auch wenn ich eher weniger ein Freund des schnellen fertigen Gerichts bin, schätze ich Ihre Prinzipien, die offenkundig einem enormen Druck am Markt Stand halten müssen. Bitte verlieren Sie dies nicht aus den Augen. Die Verbraucher werden wieder lernen gutes Essen zu schätzen. Viel Erfolg weiterhin.

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