Brief an die unbekannte Schwester

Normalerweise ist dies hier ein Blog ausschließlich der Marke FRoSTA. Für die Handelsmarken, die die Schwesterfirma Copack im Auftrag des Handels fertigt, macht der Handel seine Kundenkommunikation schließlich in Eigenregie und da mischen wir uns grundsätzlich nicht ein. Vor kurzem haben wir allerdings in unserer Mitarbeiterzeitschrift eine nette Anekdote veröffentlicht, die ich den Lesern hier nicht vorenthalten will.

Vor einiger Zeit kam bei den Kollegen aus dem Handelsmarkenbereich eine Verbraucherzuschrift an, die etwas aus der Reihe tanzt. Eine, wie wir vermuten, ältere Dame hat uns auf einem Notizzettel eine schwer zu entziffernde und schwer zu deutende Nachricht zukommen lassen, was sie denn gerne bei Copack bestellen möchte, weil sie nämlich gehbehindert sei. Vorgabe von ihr war, dies zu den Verkaufspreisen von einem bestimmten Discounter zu bekommen. (Für sie scheinbar sehr wichtig, da von ihr dick rot unterstrichen.)

Ihre Bestellung hat sie dabei anhand von Papierstreifen illustriert, auf die sie Ausschnitte von den entsprechenden Verpackungen aufgeklebt hatte, versehen mit der Bestellmenge und dem von ihr gewünschten Preis.

Unter den von ihr bestellten 8 Artikeln waren allerdings nicht nur Produkte aus unserem Hause, sondern auch unter anderem Kräuterquark, Windbeutel und natürlich Joghurt, von dem sie gerne 6 Stück verschiedener Geschmacksrichtungen hätte, aber nicht Erdbeer. Was die Dame bewogen hat, sich mit Ihren ausgefallenen Wünschen ausgerechnet an uns zu wenden, wissen wir nicht. Hier ist unsere Antwort dazu:

Sehr geehrte Frau xxx,

obwohl wir das Zeitalter des Computers haben und die Übermittlung von Nachrichten auf elektronischem Weg schon lange die Überhand bekommen hat, erhalten wir natürlich auch weiterhin jeden Tag Dutzende Briefe mit der guten alten Post zugesandt, einige, so wie Ihrer auch immer noch traditionell mit der Hand geschrieben.

Jedoch handelt es sich bei diesen handgeschriebenen Briefen zumeist um Verbraucher, die unsere Produkte gekauft haben und entweder besonders zufrieden waren und ein wenig Lob an uns weitergeben wollen, oder um solche, die überhaut nicht zufrieden waren und sich nun bitter bei uns beklagen.

Doch während wir bei diesen Zuschriften meistens immer genau wissen, was zu tun ist, nämlich sich bei Lob zu freuen und bei Kritik sich zu ärgern (mal über die Schreiber, mal über uns selbst), fällt uns zu Ihrem Brief spontan keine Reaktion ein, außer dass uns automatisch die Kinnlade vor Erstaunen herunterklappt, passt doch Ihr Brief eigentlich so gar nicht in unsere Welt hier bei Copack.

Die Firma Copack produziert Tiefkühlkost für den Lebensmitteleinzelhandel und liefert in der Regel palettenweise oft bis zu vollen LKWs an Discounter und Supermärkte. Da kommt eine Bestellung für einen einzelnen Haushalt für uns ziemlich unerwartet. Zumal in dieser Form und vor allem ohne, dass wir irgendwo wissentlich einen privaten Versandhandel für unsere Produkte eröffnet haben.

Angesichts der Tatsache, dass es Versandhäuser wie Neckermann oder Otto schon über 60 Jahren gibt und in deren Katalogen der Bestellpreis schon immer drin steht, hat es uns dann auch noch stark gewundert, dass Sie uns auch noch bei der Preisfindung für unsere Produkt „behilflich“ waren: Ganz einfach so günstig wie beim Discounter um die Ecke.

Moment mal! Stand da gerade „unsere Produkte“? Na ja, immerhin 2 der 8 bestellten Produkte sind tatsächlich aus unserem Hause. Und eines dieser beiden gewünschten Fischprodukte stellen wir derzeit sogar noch her. Wie sie allerdings den Kräuterquark, den Joghurt und all die anderen Sachen mit uns in Verbindung gebracht haben, tja, da rätseln wir im Kollegenkreis doch sehr.

Nun, wie Sie aus unseren Ausführungen vielleicht schon herausgelesen haben, können wir Ihnen leider nicht so weiterhelfen, wie Sie sich das vielleicht erhofft haben. Weder stellen wir die meistens Produkte selber her, die sie gerne hätte, noch versenden wir unsere Produkte an private Haushalte. Es sei denn, Sie würden gleich ein paar Paletten abnehmen. Wir gehen aber davon aus, ohne Ihre Haushaltssituation zu kennen, dass das dann Ihre Lagerkapazitäten in Kühlschrank und Kühltruhe leicht überfordern würde.

Und leider können wir Ihnen auch keine großen Hoffnungen machen, dass Sie eine Firma finden, die Ihnen Ihre Lebensmittel nach Hause liefert, zu Preisen wie beim Discounter um die Ecke. Sie sollten bei einer Lieferung nach Hause in kleinen Mengen immer mit relativ hohen Versandkosten rechnen, insbesondere bei Tiefkühlkost.

Da Sie aber mit Ihrem aufwändig zusammengestellten Brief hier bei uns für ein wenig Unterhaltung und ein kleines Schmunzeln gesorgt haben, wollen wir Sie trotzdem nicht gänzlich im Stich lassen: Ausnahmsweise senden wir Ihnen ein kleines Paket mit Produkten aus unserem Haus zu. Und das sogar noch zu sehr viel besseren Konditionen als beim Discounter, nämlich kostenlos. Und es ist auch garantiert kein Erdbeerjogurt dabei. Wir hoffen, dass es Ihnen schmeckt.

Nur wenige Tage später hat die Dame tatsächlich noch einmal zurück geschrieben. Dafür hat Sie von unserem Brief den unteren freien Teil der 2. Seite abgeschnitten und beschriftet.

Aufmerksame Leser werden sich vielleicht etwas wundern, warum wir die Dame nicht auf unseren neuen FRoSTA Shop hingewiesen haben. Das hat mehrere Gründe. Mal abgesehen davon, dass die Dame ja eben an Copack geschrieben hat, wir keines der „bestellten“ Produkte für die Marke FRoSTA herstellen (nicht mal ähnliche), der FRoSTA Shop zu dem Zeitpunkt noch gar nicht ganz fertig war und wir die Dame auch nicht wie Versicherungsvertreter bequatschen wollten, haben unsere Profiler aus dem Brief der Dame eindeutig geschlossen, dass sie mit Internet offenbar nicht so viel am Hut hat. Und das ist ja manchmal auch ganz sympathisch, wie ich finde.

P.S.: Nachahmern, die meinen, wir würden jetzt jedem mit einer originellen Zuschrift auch gleich ein Paket schicken, sei gesagt: Nein, tun wir nicht! 🙂

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Frank Ehlerding (Controlling)

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9 KommentareSchreibe einen Kommentar

  • Vielleicht hat die Dame doch Internet und den Heimservice in „Wir von COPACK beliefern Handel, Heimservice und Foodservice mit einem umfassenden abgerundeten Produktportfolio in den Bereichen Fisch, Gemüse und Fertiggerichte.“ falsch verstanden.

    Ausserdem, habt ihr nicht erst festgestellt, dass selbst Journalisten Frosta und Bofrost schon nicht auseinanderhalten kann? 😉

    Dass Costa und Frosta auch zu dicht beeinanderliegen, weiss der Kundenservice von euch ja auch schon.

    Gut, zu COPACK fällt mir gerade kein namensähnlicher Lieferant ein…

    Aber der Gedanke ist doch nicht schlecht – wenn ihr schon beim Lidl vorbeifahrt, könnt ihr doch gerade ein paar Häuser weiterfahren.

  • Und ja, weitere kostenlose Probepakete für Briefeschreiber ist natürlich Quatsch.

    Bitte an die regelmässigen Blog-Besucher!

  • Das war sehr kulant von Euch, der Dame ein Paket zu geben. Solch kundenfreundliche Geschäftspraktiken lob ich mir!

    [Anm. Frank Ehlerding (FRoSTA): Werbelink gelöscht. Bitte Blogregeln beachten!]

  • Vielleicht erinnerte sich die Dame auch nur nicht richtig an „coop“ und fand dann irgendwie „copack“…
    Jedenfalls eine symphatische Reaktion Ihrerseits. 🙂

  • Ist doch süß! Finds gut wie Sie reagiert haben, der Antwortbrief von ihr ist dann aber noch der burner. Erinnert mich etwas an das Buch „Sehr geehrter Herr Maggi“. Da sind haufenweise solcher Geschichten, aber alle Inszeniert… Köstlich!
    Auch in unserer bierernsten Welt ist etwas Menschlichkeit und Humor mal was schönes und bereicherndes!

    [Anm. Frank Ehlerding (FRoSTA): Werbelink gelöscht. Bitte Blogregeln beachten!]

  • Wow süß 🙂

    Anm. Frank Ehlerding (FRoSTA): Bitte Blog-Regeln beachten und keine gewerblichen Links hinterlassen. Die löschen wir sowieso wieder.

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