Hermann!!! Geben Sie endlich auf!

Es hat doch keinen Sinn mehr …

Manchmal weiß man als Autor nicht so recht, wie man einen Artikel schreiben soll, denn es geht hier um ein Thema mit wahrlich sehr ernstem Hintergrund, allerdings in diesem Fall mit etwas kuriosen Auswirkungen. Also einfach erst einmal die Situation vorstellen: Als Konsequenz aus den Anschlägen auf das World Trade Center im Jahr 2001 wurden Firmen, so auch die FRoSTA AG, dazu verpflichtet, sicherzustellen, dass durch ihre Geschäfte keine terroristischen Aktivitäten unterstützt werden.

Davor waren es lediglich bestimmte Länder, gegen die ein Handelsembargo bestand, mit denen also der Handel verboten oder zumindest nur mit behördlicher Genehmigung möglich war. Von nun an waren es aber einzelne Firmen, Gruppierungen oder gar einzelne Personen, die im Blickpunkt solcher Kontrollen standen. Ziel ist die Austrocknung der Finanzquellen von Terroristen.

Solche Sicherungsmaßnahmen sind ja zunächst mal ein nachvollziehbarer, sinnvoller Schritt. Doch bei näherer Betrachtung ist das einfacher gesagt als getan, denn Terroristen, gleich welcher Glaubens- oder politischer Richtung, weisen sich im täglichen Geschäftsgebaren normaler Weise nicht offen als Terroristen aus. Niemand wird ankommen und sagen: „Guten Tag, ich bin Ihr neuer Lieferant, meine Hobbys sind Lesen, Cricket und Terrorismus.“ Und es ist wohl auch nicht zu empfehlen, seine Handelskunden zu fragen: „Entschuldigung, Sie sind nicht zufällig Terrorist, oder? Weil, dann dürfen wir Sie leider nicht mehr beliefern.“

Nicht einmal vor den Mitarbeitern eines Unternehmens macht diese EU-Verordnung nicht halt. Doch auch da wird man nicht auf der nächsten Betriebsversammlung zu der Aufforderung kommen: „Können bitte alle Terroristen einmal eben kurz die Hand heben, damit wir da einen Überblick bekommen!“

Natürlich sind wir als FRoSTA AG eigentlich fest davon überzeugt, dass weder unsere Kunden, noch unsere Lieferanten und schon gar nicht unsere Mitarbeiter mit terroristischen Aktivitäten in Verbindung stehen. Dennoch sind wir durch diese Verordnung dazu verpflichtet, dies auch, so weit es uns möglich ist, sicherzustellen.

Da wir solche Entscheidungen, ob unsere Geschäftspartner „gut“ oder „böse“ sind, natürlich nicht aus dem Bauch heraus entscheiden können, haben wir ein speziell für diese Zwecke erstelltes Software-Programm erworben, mit dem unsere Kunden-, Lieferanten- und Mitarbeiterdaten aus unserem SAP-System nach verdächtigen Namen und Indizien durchsucht werden.

Hier zeigt sich dann aber auch sofort, wie schwer es offenbar selbst für die deutschen Behörden ist, die Betriebe bei dieser verantwortungsvollen aber für sie eigentlich kaum erfüllbaren Aufgabe zu unterstützen. Denn aus diesen Suchläufen kam eine für uns kaum überschaubare Anzahl an Namen und Adressen heraus. Zum Beispiel wurden vom Programm alle Kunden und Lieferanten mit einer bestimmten Gesellschaftsform pauschal als mögliche Verdächtige ausgeworfen. Heißt das, dass Terroristen oder deren Sympathisanten besonders oft Firmen mit solch einer Gesellschaftsform unterhalten? Wir wissen es nicht.

Auch unser jahrzehntelanger Lieferant für Büromaterial, Firma Hermann Schwerdtfeger, wurde als verdächtiger Datensatz mit ausgegeben. Wie aber alle anderen Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter auch, die „Hermann“ mit Vor- oder Nachnamen heißen.

Nun können wir die ausgeworfenen Datensätzen überprüfen und nach besten Wissen und Gewissen „die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen“ packen. Und die „schlechten“ müssen wir dann an den Zoll melden. Sollten Sie also Kunde, Lieferant oder Mitarbeiter von uns und gleichzeitig rechtmäßiger Eigentümer des Namens „Hermann“ sein, können wir Sie schnell beruhigen: Von unserer Seite besteht kein Grund für Verdächtigungen.

Trotzdem kommen wir spätestens hier zu dem Punkt, an dem wir als Firma FRoSTA etwas überfordert sind und nicht so recht wissen, was wir tun sollen.

Die Liste, mit dem das Programm die Namen abgleicht, wird ständig aktualisiert. Erst vor wenigen Tagen mussten wir erfahren, dass jeder, der sein Kind Manuel genannt hat, mit 95%iger Wahrscheinlichkeit einen Terroristen am Frühstückstisch sitzen hat.

Doch es kommt noch besser. Nach einem dieser Updates war es dann plötzlich so, dass alle Firmen, deren Adresse in Frankfurt lag, zur Prüfung aussortiert wurden. Doch lag es bei genauerer Betrachtung gar nicht am Ort Frankfurt, sondern an „Frank“. Es wurden nämlich auch alle Personen und Firmen ausgegeben, die „Frank“ im Namen hatten.

Und hier bekam ich, Frank Ehlerding, Autor dieses Artikels, plötzlich Hitzewallungen. Nein, natürlich bin ich weder Terrorist noch deren Sympathisant … oder etwa doch? Gut, als Controller steht man bei den Kollegen sowieso immer im Verdacht, etwas Böses im Schilde zu führen, doch bin ich mir eigentlich sicher, dass ich zumindest kein Terrorist bin. Aber vielleicht bin ich auch ein so genannter „Schläfer“, jemand der einst hypnotisiert wurde und vielleicht weiß ich deshalb schon gar nicht mehr selber, dass ich zu einem terroristischen Netzwerk gehöre und wenn jemand das Codewort „Bratkartoffel-Eierlikör-Pfanne“ sagt, wache ich plötzlich auf und faxe sämtliche Rezepte für die neusten FRoSTA-Produkte rüber zu einer Höhle in die zerklüftete Bergwelt von Pakistan. Wer weiß …?

Ja, wie schon gesagt: ein eigentlich sehr ernstes Thema, aber in diesem Fall mit sehr skurrilen Auswüchsen für uns.

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Frank Ehlerding (Controlling)

Frank Ehlerding (Controlling)

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14 KommentareSchreibe einen Kommentar

  • „Erst vor wenigen Tagen mussten wir erfahren, dass jeder, der sein Kind Manuel genannt hat, mit 95%iger Wahrscheinlichkeit einen Terroristen am Frühstückstisch sitzen hat.“

    Aha! Da ich bislang noch nichts von meiner angeblichen „Leidenschaft“ wußte, bin ich also wohl ein sogenannter Schläfer, oder wie?

    Aber Sie haben recht – das hat einen sehr ernsten Hintergrund und zeigt mal wieder, dass man sich nicht blind auf Technik verlassen darf.

    Ich erinnere in dem Zusammenhang gerne an den Vorfall in England vor etwa einem Jahr. Dort wurde ein unbescholtener Bürger verhafet und mehrere Tage festgehalten. Warum? Überwachungskameras hatten erkannt, dass er ein Messer in der Öffentlichkeit trug – und das durfte er nicht. Später stellte sich dann heraus, dass das angebliche Messer nur eine kleine Rose in einem Reagenzglas mit Wasser war. Diese wollte er einer Dame bei einer Verabredung überreichen.
    Hätte er damals lieber eine Packung FRoSTA dabei gehabt 🙂
    Obwohl, vielleicht hätte die Packung für die Kameras wie eine Bombe ausgesehen???

  • Das scheinen ja extrem ausgefeilte Programme zu sein, mit denen man Terroristen findet. Ich dachte eigentlich auch, dass die Rasterfahndung gar nicht zulässig ist. Hmm.

    • Für solche Zwecke ist das in dieser Form offenbar zulässig. Wobei der Begriff „Rasterfahndung“ in diesem Zusammenhang sicher falsch ist. Wir fahnden ja nicht nach einer konkreten Person, sondern wir versuchen nur zu verhindern, dass wir die falschen Leute durch Geschäftsbeziehungen zu uns begünstigen. Ein Türsteher läuft ja auch nicht durch die Gegend und fahndet nach jedem, der vielleicht mal in seine Disco will und den er dann ablehnen müsste, sondern schaut sich nur die an, die konkret bei ihm an der Tür stehen.

  • Das ist doch alles ein Scherz, oder? Ich könnte es gar nicht glauben, dass sich in Europa die gleichen absurden Histerien verbreiten können wie in den USA.

  • Da fällt einem nichts mehr dazu ein. Diese Terroristen-Namensliste wird von wem aktualisiert?

    [Anm. Frank Ehlerding (FRoSTA): Link zu einer Werbeseite gelöscht. Bitte Blogregeln beachten!]

    • Wir bekommen Daten aus diversen Quellen: EU-Kommission, britisches Finanzministerium und US-Behörden.

  • Haha, big brother is watching you!

    [Anm. Frank Ehlerding (FRoSTA): Link zu einer Werbeseite gelöscht. Bitte Blogregeln beachten!]

  • Einzige Lösung:
    Gar keine Vorauswahl treffen, alle Verdächtigen an den Zoll melden. Spätestens wenn der Zoll zu nichts anderem mehr kommt, weil das alle deutschen Firmen so machen, wird der sich eine andere Lösung aussuchen müssen.

  • Positiv denken:
    * Wenn solch „ausgereifte“ Software Standard ist, so wird es auch in Zukunft ein leichtes sein, eventuell unliebsame Aktivitäten unerkannt zu erledigen. Keine Angst vor Überwachung wenn die Auswertung auf solchem Niveau stattfindet .o>
    * Dilettantismus pur – und trotzdem gab es seit 2011 keine nennenswerten Anschläge in D. Sehr gefährlich/intelligent können die bösen Terroristen also nicht sein.

  • Unternehmen sind dabei noch halbwegs gut weggekommen.
    Banken sind am meisten gestraft dabei mit sinnlosen Vorschriften, wenn man dann eine halbe Stunde braucht um eine Barüberweisung an die Stadtwerke über 25 EUR korrekt nach Geldwäschegesetz durchzuführen kann doch irgendwas net stimmen.

  • Wir als Unternehmen haben bereits seit über einem Jahr ein System im SAP laufen, was die gleichen Prüfungen durchführt und auch wir sind auf „Hermann“ gestoßen (dabei handelt es sich um ein Frachtschiff auf der Terrorliste!).

    Die Prüfung sämtlicher Mitarbeiter und Kunden- sowie Lieferantendaten ist übrigens seit 2001 für jeden Pflicht! Es gibt eine EU-Verordnung, welche dies zwingend erforderlich macht. Nur wissen die meisten Unternehmen nichts davon.

    Wir werden also weiter mit solchen Auswüchsen des Rechtsstaates leben müssen. 😉

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