Letzte Woche war ich bei einem Treffen von Agrar – Wissenschaftlern aus verschiedenen Ländern der Welt (USA, Deutschland, Brasilien, Japan).
Es ging um Transparenz und die Frage wie man bessere Lebensmittel herstellen kann. Ich durfte als positives Beispiel FRoSTA vorstellen. Allerdings gab es harte Diskussionen:
„FRoSTA könnte es doch (noch) besser machen und nur in Deutschland aufgezogene freilaufende Bioland Hühner einsetzten“
„FRoSTA könnte doch auch nur Biogemüse verwenden“
„Auf der FRoSTA Paella steht Markenbutter aus Deutschland, warum steht da nicht auch wo das Huhnfleisch herkommt?“
Ich habe jetzt mal ein bisschen recherchiert und folgendes rausgefunden:
Tatsächlich könnten wir Bioland Hühner aus Deutschland einsetzten, der Preis wäre aber statt 4 Euro pro Huhn dann eher 14 – 18 Euro pro Huhn (solche Hühner kann übrigens jeder beim Bauerngockel kaufen: hier). Da wir in unseren Gerichten im Durchschnitt 12-16% Huhnfleisch haben, dies aber 30% der Kosten sind, schätze ich mal, dass die Gerichte dann statt 3,30 € etwa 5,00 € – 6,00 € kosten würden. Wenn man dann noch Biogemüse nehmen würde, würden wir sicher bei 7 € landen.
Die Frage ist also, ob wir zu dem Preis noch viele Käufer finden würden?
Unser Huhnfleisch kommt übrigens aus Deutschland, aber viel kommt auch aus Thailand. Thailand war natürlich für viele der Konferenzteilnehmer ein Schock! Zu Unrecht, denn der Transportpreis fällt praktisch nicht ins Gewicht. Außerdem kann man sich durch die niedrigeren Arbeitskosten eine bessere Tierhaltung leisten: Unser thailandisches Hähnchenfleisch kommt von einem Lieferanten den wir seit Jahrzehnten kennen. Er verfügt über ein EU-Zertifikat. Das bedeutet, dass staatliche Prüfer die Einhaltung der für Geflügelhersteller gültigen EU-Richtlinien überprüfen.
Das Geflügel wird in einem integrierten System aufgezogen und über die gesamte Produktionskette kontrolliert. Alles von der Aufzucht bis hin zur Schlachtung erfolgt in einem geschlossenen System. Sogar das Futter wird in diesem geschlossenen System angebaut. Eine lückenlose Kontrolle der Produktionsschritte ist garantiert. Die Hühner stammen nicht aus Käfighaltung, sondern können sich frei bewegen und ausgiebig scharren. Zum Schlafen haben die Tiere Sitzstangen. Pro 10 Hühner stehen 2m² Fläche zur Verfügung.
Wie gesagt, man kann immer alles noch besser machen, die Frage bleibt aber: wie weit kann / soll man gehen, damit die dann teureren Gerichte auch noch gekauft werden?
Also so ist das doch vollkommen in Ordnung. Es muss doch noch für euch rentabel sein und wenn die Hühner in Thailand ein besseres Leben als in Deutschland haben, ist das doch gut. Und so unterstützt ihr ja auch die Leute in Thailand, die weniger haben als wir. Den Thailändern werden doch faire Löhne gezahlt?
Genau, faire Löhne und keine Kinderarbeit gehört auch zu den Dingen die in EU Zertifizierten Betrieben kontrolliert werden!
Leider wird weder in EU-zertifizierten Betrieben noch bei Frosta die Rechtschreibung kontrolliert. Als Frosta-Chef wäre mir die schlampige Außendarstellung hier überaus peinlich.
@Dada
*schnarch*
Ich finde diesen Block super! Vorallem das FROSTA so Innovativ und Beispielhaft vorgeht find ich spitze!!!
Doch einen Tipp dazu, noch viiiiel mehr Co2 kann man sparen wenn man auf Fleisch verzichtet, obs nun aus Thailand oder Deutschland kommt.
Etwa die Hälfte der vom Menschen verursachten Treibhausgase entstehe bei der Nutztierhaltung und der Verarbeitung von Tierprodukten, warnte das US-amerikanische Institut “Worldwatch” in einer neuen Studie. Nutztieratmung allein verursache etwa 14 Prozent der von Menschen verursachten Treibhausgase.
Deshalb schlage ich als weitere Innovation ein/mehrere vegetarisches Gerichte mit Tofu (oder Seitan) vor, bei Ihren tollen Marketingstrategien würden Sie es bestimmt gut an den Mann bringen!
Da glaub ich an Frosta!
Wenn man das so liest, dann scheint ja die Hauptursache für die Preisdifferenz zwischen Bio- und Nicht-Bio-Huhn nicht in der Bio-Richtlinie zu liegen sondern in den Löhnen. Ein Vergleich des deutschen Bio-Huhns mit thailändischem Nicht-Bio-Huhn hinkt dann natürlich. Gibt es keine thailändischen (zertifizierten und kontrollierten) Bio-Huhn-Erzeuger? Wenn ja, wie sind denn da die Preise?
Ich will unseren Lieferanten in Thailand besuchen, dann werde ich es wohl besser verstehen.
Aber auf jeden Fall ist das Lohnniveau ein wichtiger Faktor, besonders wenn man nicht über die total durchorganisierten Industriebetriebe spricht.
Denn sobald die Hühner rumlaufen braucht man natürlich mehr Arbeitskraft um alles unter Kontrolle zu halten.
Auf der Web-Seite vom “Bauerngockel” sieht man ja in einer kurzen Filmsequenz wie die Hühner leben bzw. gefüttert werden. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass unter solchen Haltungsbedingungen die von FRoSTA benötigten Mengen geliefert werden könnten. Ich denke, entweder es geht nicht, oder das “Video” ist fern ab von der Wirklichkeit.
Igitt, Huhnfleisch in den Frosta-Gerichten kommt aus Thailand, da wo die Hühnergrippe zu Hause ist.
Ich wusste schon immer, warum ich um Frosta Fastfood und ä. einen groooßen Bogen mache.
http://www.acfs.go.th/qmark/lifestock/poultry_meat.pdf
warum ließt du dann überhaupt den Blog hier
Also, ich denke, daß ein Nachfrager in der Größenordnung von Frosta am Markt durchaus einen besseren Preis für deutsches Bio-Huhnfleisch erzielen könnte als die genannten 18 Euro. Somit wären auch sieben Euro für ein Tiefkühlgericht komplett aus Biorohstoffen zu hoch gegriffen. Im Naturkostbereich schafft es eine andere (kleinere) Firma beispielsweise Bio-Nasi-Goreng zu 450g für 4 Euro anzubieten. Vielleicht wäre sowas ja auch für Frosta zumindest saisonal, für einen begrenzten Zeitraum möglich. Vielleicht auch um erst mal die Nachfrage zu testen…
Toll! Und wie viele ZUSATZSTOFFE machen dann den Preis aus? Ne danke, dann lieber Frosta.
Ich würde auch 7 Euro für ein Gericht zahlen, wenn ich dafür ein Bio Huhn (oder zumindest ein freilaufendes) und Bio Gemüse hätte.
“Pro 10 Hühner stehen 2m² Fläche zur Verfügung.”
Sie würden es nicht hervorheben, wenn es nicht viel wäre. Ich persönlich aber bin erstaunt, ich möchte nicht wissen, wie wenig Platz andere Hühner haben. Diesen Platz würde ich mir für ein Huhn wünschen!
Somit möchte ich mich gerne Herrn Hestermanns Vorschlag anschließen nach Thailändischen Bio Huhn Erzeugern zu schauen.
Alles spricht von Klimawandel, man solle regional und ökologisch wirtschaften – und ihr holt Hühner aus Thailand?
Ich zahle gerne die 14 bis 18 EUR, wenn ich weiss, wie das Huhn aufgezogen wurde, und dass es quasi aus meiner Nachbarschaft kommt.
Nun gut, Sie wären dazu bereit. Manche vierköpfige Familie muss mit den 18 Euro aber ein oder zwei Tage satt werden.
@Matthias:
Wer mal die Gesamt CO2 Bilanz eines solchen Gerichts anschaut, wird feststellen, dass der Transport von Thailand oft nur einen ausgesprochen kleinen Teil ausmacht. Ein halb oder noch weniger beladener Lieferwagen, der im schlimmsten Fall auch noch mit der Technik der 90er Jahre unterwegs ist, vom lokalen Erzeuger macht schnell einen guten Teil davon wieder wett. Der Kunde, der einmal das Lebensmittel mit dem Auto aus dem Verbrauchermarkt holt, stellt sofort die gesamte Transport- und Lagerkette in den Schatten.
[Anm. d. Admin: Ihre Verlinkung verstößt gegen die Blogregeln und wurde darum entfernt.]
Zu den verschiedenen Punkten:
1. Ich glaube es ist kein Problem auch große Mengen von den “18 Euro Hühnern” zu kaufen. Dies ist ja oft das Standardargument: “man könne garnicht soviel Bio Rohware bekommen”. Ist aber meiner Meinung immer nur eine Preisfrage.
2. Ich glaube allerdings nicht, dass die Mehrheit unserer Kunden deutlich mehr für unsere Produkte zahlen würde. Alles was über 4 Euro geht, wird meiner Meinung nach zu radikalen Mengenverlusten führen. Und durch die kleineren Mengen, würden unsere Produkte dann noch einmal deutlich teurer.
3. Transport aus Thailand: Ist für den Energie- und Klimabilanz praktisch kein Thema. Genauso wie auch ein Apfel aus Argentinien besser sein kann als ein lokaler Apfel der bis März gelagert wird und dann gegessen wird.
Ok, da würde ich gerne direkt einhaken. Ich versuche seit geraumer Zeit mich mit einem Azubigehalt gesund und möglichst lokal zu ernähren. Bei Fleisch schaue ich schon gar nicht mehr drauf, und auch bei Obst ist mir bewusst, dass ich vor allem im Winter keine Wunder erwarten kann. Nichtsdestotrotz würde ich mir wünschen, das von mir konsumierte Produkte möglichst kurze Wege zurücklegen; dies hat ja auch einen Einfluss auf die Qualität, denn Kühlung und Lagerreifung sind sicherlich große Gefahren für Nährstoffe und Sensorik.
Deswegen erstaunt mich der Satz mit dem Transport aus Thailand bzw. Argentinien. Wenn es tatsächlich unbedenklich wäre, Nahrungsmittel über große Distanzen zu transportieren ohne nennenswerte Konsequenzen, wäre ich zumindest in der Hinsicht beruhigt. Gibt es dazu Studien oder zumindest Erfahrungswerte? Reden wir hier auch von frischer Ware (Äpfel) oder geht es primär um Gefrierkost?
Meiner Meinung nach würde kaum einer ein Frosta-Gericht für 7 € kaufen. Für das Geld erhält man ja schon ein Gericht im Restaurant. Bio hin oder her – gerade in Zeiten von Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise wird jeder Verbraucher genau abwägen, ob ihm Bio etwas wert ist ..und 7€ ist da klar zu viel.
[...] [...]
Hofer (ALDI Österreich) bietet BIO-Hähnchen für 6,99 EUR/kg an.
http://hofer.at/at/html/product_range/12625_15042.htm
Fertige Filets, die vermutlich von Frosta verwendet werden, sind natürlich zwangsläufig teurer.
Wenn ich mir überlege, wieviel Knochen an meinem letzen Hähnchen waren, dann kommt der doppelte Preis schon hin. Ja, ich habs selber “filetiert”
Also grosses Lob, dass Ihr offen sagt woher eure Zutaten kommen.
Ich würde es schön finden wenn ihr dass auch auf Eure Packungen schreiben würdet.
Ich kann mir vorstellen, dass nun andere Hersteller das aufgreifen und plakativ draufschreiben “von deutschen Hühnchen”. Woher die anderen Zutaten oder welche anderen “Schweinireien” dort untergebuttert werden wird nicht drauf gedruckt.
Ich würde es befürworten wenn jeder Hersteller sagt: Das sind unsere Lieferanten, und wenn jeder hat die Möglichkeit die Fabriken von uns, und unseren Lieferanten zu besuchen.
Also ich finds auch echt super, dass hier so offen darueber geredet wird, und wie man sieht sind hier die Reaktionen von den Leuten abgesehen von 1 ausnahme eh sehr positiv zu dieser direktheit.
Aber ich verstehe, dass sie nicht auf die packung schreiben “unser huhn kommt aus thailand” – hat absolut keinen nutzen, und ohne ausfuehrliche erklaerung auch eine aussage die man jetzt so oder so sehen kann.
@maxauthority
>hat absolut keinen nutzen, und ohne ausfuehrliche >erklaerung auch eine aussage die man jetzt so oder >so sehen kann.
Ganz anders: ich glaube dass es schon einen Nutzen hat, wenn wir wissen woher das Gesamte und die Zutaten stammen.
Ich denke viele Konsumenten haben eine falsche Vorstellung über Ihr essen. Ich hätte bis zu diesem Beitrag auch nicht gedacht, dass eine Zutat einmal über den Ozean geschippert wurde.
Es ist noch gar nicht so lang her, da war Fleisch noch etwas wertvolles. Frosta ist doch ohnehin schon eine “Premiummarke” – wer Frosta kauft ist bereit, Geld für Qualität auszugeben. Einige Produkte als mit Bio-Fleisch und Erläuterung, wofür der höhere Preis gezahlt wird.
Ich empfehle “we feed the world” anzuschauen. Ganz ohne moralische Keule kann man sich da mal die sogenannte Bodenhaltung ansehen und dann selbst entscheiden, ob das irgendwas mit artgerechter Tierhaltung zu tun hat. Die oben genannte Zahl entspricht übrigens 45×45cm pro Huhn. Und jetzt schaue man sich mal an wie groß so ein Huhn wird. Genau.
Abgesehen davon möchte ich auch wissen wo mein Essen herkommt.
und ich empfehle FOOD INC anzuschauen. Dort werden zwei Dinge gezeigt: Einmal industrielle Tierhaltung mit dem Verfüttern von Mais und dazu Betriebe die ihre Rinder weiden lassen, und selbst schlachten. Es wird nur lokal verkauft.
Hier auch der unterschied zwischen den Produzenten: die industrielle Massentierhaltung wird unter Verschluß gemacht. Die kleinen Bauern laden jeden ein den Hof zu besuchen.
Übrigens, auch im Bio-Nasi-Goreng (und in allen Bio Produkten) dürfen noch sehr viele Zusatzstoffe eingesetzt werden: Hier die Liste der Zusatzstoffe die auch in Bio Produkte reindürfen.
Aus dieser Sicht ist das FRoSTA Reinheitsgebot strenger als die Anforderungen für Bioprodukte!
Und auch die Bio Hühner haben nicht automatisch soviel Auslauf und werden so tiergerecht gehalten wie die Bauerngockel für 18 Euro das Stück!
Also auch bei “Bio” muss man genau hinschauen!
Letztendlich ist Frosta ein Unternehmen, da muss das Preis/Leistungverhältnis stimmen. Wenn dann noch auf die Zutatenliste geachtet wird ist das prima. Wobei ja Bio auch eine Werbestrategie sein wird.
also ich wüsste nich wo jetz der mehrwert eines bio huhns sein sollte. es steht halt bio drauf und man kann nachts gut schlafen, aber es schmeckt dadurch nicht unbedingt besser!
ich habe nichts generell gegen bio, im gegenteil, ich kaufe selber selektiv im bioladen ein! aber diese ganze öko-religion halte ich für blödsinn. frosta ist für mich wie bio, weil keine zusatzstoffe drin sind. Das ist es, was mich bei Aldi und Lidl stört. Aber ich kaufe normalerweise keine Bioware, bei der geschmacklich kein deutlicher Qualitätsunterschied feststellbar ist. Dafür ist es zu teuer!
Du kaufst Bioware wenn du meinst es schmeckt besser oder ist gesünder, weil keine Chemie enthalten ist.
Ich kaufe Bio weil ich meine wir müssen es uns leisten andere Lebewesen menschenwürdig zu behandeln. Oder weil ich Weizenfelder mit Kornblumen und Schmetterlingen mag. Oder weil ich in sauberen Flüssen baden möchte.
@T: Komische Vorstellung Wesen, die keine Menschen sind “menschenwürdig” behandeln zu wollen
Artgerecht würde mir ja schon reichen, zumal Schlachten vermutlich nicht mit der Menschenwürde zu vereinbaren ist..
[Anm. d. Admin: Ihre Verlinkung verstößt gegen die Blogregeln und wurde darum entfernt.]
Nein, ich will keinen Apfel aus Argentinien, auch wenn er angeblich besser ist. Um mal das Beispiel aufzugreifen. Ich nehm den aus dem eigenen Garten, der schmeckt eh besser.
Genauso, wie ich keine Eier aus dem Supermarkt esse, egal ob Bio oder nicht, die schmecken nicht, im Gegensatz zu den Eiern von den Hühnern meines Onkel. Das muss jeder selber wissen, es gibt aber definitiv einen Unterschied.
Und das Argument, die Hühner könnten scharren, sprich dann wahrscheinlich Bodenhaltung, ist vielleicht ganz nett, aber das Gelbe vom Ei definitiv auch nicht.
Denn das ist Stress pur für so ein Huhn, denn sobald es sich umdreht sieht es ein neues Huhn und es muss eine neue Hackordnung hergestellt werden.
Und genauso wenig will ich, dass mein Essen erst durch Gegend geflogen werden muss.
Ich finde das unnötig und schaue deswegen darauf, wo mein Essen herkommt. Ich muss im Winter keine Erdbeeren aus weiß der Kuckuck wo kaufen und ich will im Sommer auch nur welche aus Deutschland haben. Es gibt halt nicht immer alles.
Aber wie schon gesagt, dass muss jeder selber für sich wissen und da ich jetzt weiß, woher Frosta Hühnerfleisch bezieht, weiß ich auch, was ich jetzt nicht mehr kaufen werde.
Leider kann nicht jeder selbst Hühner halten, eine eigene Streuobstwiese pflegen und überhaupt alles autark selbst anbauen. Genauso nähen sich nur wenige ihre Kleider selbst (vom Baumwollanbau ganz zu schweigen) oder bauen sich das eigene Auto selbst. Wir leben in einer arbeitsteiligen Gesellschaft und sie ist ja eigentlich auch nichts Schlechtes. Durch Spezialisierung läßt sich vieles sehr viel effizienter gestalten. Die Nachteile sind dann halt mangelnde Transparenz, die manche Leute durch entsprechende Werbung zu einer etwas naiven Sicht auf die Lebensmittelproduktion verleiten läßt. Manche glauben anscheinend, dass man die Idylle des Kleinbauerns für fast das gleiche Geld bekommen kann, wie industriell hergestellte Produkte.
Eigentlich würde es der Markt schon regeln, das nur erzeugt wird, was die Verbraucher wollen. Wichtig ist nur, dass diese auch wissen, was sie kaufen. Und genau da sehe ich Handlungsbedarf: Mehr Information über die Art der Erzeugung von Lebensmitteln (auf allen Ebenen), sodass der Verbraucher entscheiden kann, was er möchte. Dagegen werden sich natürlich alle diejenigen Produzenten wehren, für die das Nachteile hätte. Deshalb bleibt eigentlich nur der Druck auf den Markt von denen, die sich durch Transparenz Vorteile versprechen (wie z.B. FRoSTA). Sie müssen vorangehen und mit ihrer Vorreiterrolle Marktanteile gewinnen, sodass auch andere sich gezwungen sehen, ihre Produktionsmethoden offen zu legen (und sie gegebenenfalls vorher so zu verändern, dass sie auf dem Markt auch bestehen können). Dazu gehört natürlich auch Kontrolle durch unabhängige Medien und Behörden, damit nicht geschummelt wird. Und die Verbraucher müssen beim Kauf natürlich auch Transparenz honorieren (sprich: Nicht-transparente Produkte meiden).
Vom Energieaspekt her gesehen ist es mir eigentlich egal, ob Lebensmittel mit dem Schiff um die Erde gefahren werden. Der Energieverbrauch beim Anbau und der Kraftstoffverbrauch meines Autos bei der Fahrt zum Einkaufen liegt wahrscheinlich sowieso wesentlich höher als der (anteilige) Energieverbrauch für den Transport bis zum Supermarkt. Anders kann das natürlich beim Flugzeug aussehen oder beim ineffizienten LKW, der zwar Lebensmittel aus der Nähe bringt, für diese aber pro Kilo mehr Diesel verbraucht als das Schiff für eine sehr viel längere Reise.
Allerdings ist es mir manchmal auch nicht ganz geheuer, ob die Produktion in anderen (Billig-)Ländern unter ähnlichen Randbedinungen abläuft wie in Europa wo es vielleicht schärfere Kontrollen gibt. Ein Beispiel ist die Teekampagne (www.teekampagne.de), die schon seit den achziger Jahren versucht, auf den Pestizideinsatz beim Teeanbau (in Darjeeling) Einfluß zu nehmen. Versprechungen gab es wohl viele, aber erst eigene Kontrollen zeigten, dass diese oft gelogen waren.
Natürlich könnten wir alle wieder “back to the roots” gehen und voll auf Bio umsatteln, also uns im Prinzip so ernähren wie vor 100 Jahren und allen technischen Fortschritt (dazu zählen auch Pestizide), ob dieser nun positiv oder negativ zu bewerten ist, hinter uns lassen. Aber dann könnten wir unseren Lebensstandard nicht mehr halten. Wenn jeder Apfel per Hand gepflückt und jedes Huhn seine Maiskörner fein säuberlich angerichtet bekommt, ist die Produktion der Lebensmittel eben teurer und wir müssten an anderer Stelle sparen. Und dazu bin ich und sehr, sehr viele andere Menschen in diesem Land nicht bereit.
Ich denke, dass hier generell noch ein großer Aufklärungsbedarf besteht, wenn man beispielsweise Frosta mit den “Bio”-Tiefkühlprodukten von Rewe vergleicht: Die Rewe-Produkte suggerieren durch ihre Bio-Bezeichnung für viele Verbraucher, dass sie noch hochwertiger und gesünder sind – obwohl der Aufdruck “Bio” in keiner Weise etwas über die Produktionsbedingungen oder die bereits erwähnten Zusatzstoffe aussagt. Für viele Verbraucher ist “Bio” nach wie vor eine gesamtheitliche Angelegenheit, obwohl “Bio”-Lebensmittel auch unter Bedingungen entstehen können, die eine Zumutung für die Arbeiter darstellt. Damit will ich nicht implizieren, dass dies bei den Rewe-Produkten der Fall ist bzw. sein muss – aber das ist genau der Knackpunkt: Man weiss es eben nicht, aber durch den “Bio”-Aufdruck erhalten Konsumenten meiner Meinung nach automatisch ein besseres Gefühl, weil in ihrer Wahrnehmung “Bio” nicht nur gesünder und leckerer ist, sondern auch noch die Umwelt schont und sie somit mit jedem Bissen die Welt retten – bei Frosta ernährt man sich hingegen “bloss” ohne Zusatzstoffe.
Ich denke, dass hier die Konsumenten noch deutlich besser informiert werden können und müssen, weil es für viele Verbraucher nicht erkennbar ist, warum Frosta dennoch die bessere Alternative gegenüber den Bio-Produkten von Rewe ist, die zu diesem Preis eigentlich gar nicht machbar sein dürften (bzw. würde mich dann interessieren, an welcher Stelle in der Herstellungskette die Kompromisse eingegangen werden).
P.S.: Ich hoffe, es stört sich niemand daran, dass ich exemplarisch die Bio-Tiefkühlprodukte von Rewe herausgepickt habe. Aber sie sind geschmacklich völlig in Ordnung, sodass sich also diesbezüglich kein Ansatzpunkt für Kritik findet und sie – zumindest in dem Supermarkt, in dem ich meistens einkaufe – direkt neben Frosta gelagert werden.
Es geht also nicht um den Geschmack der Produkte in diesem Fall, sondern darum, wie durch den “Bio”-Aufdruck ein hochwertigeres Produkt suggeriert wird und viele Verbraucher darauf ‘reinfallen’ dürften – weil eben die Produktionsbedingungen ebenso wenig hinterfragt werden wie die Tatsache, dass ein Bio-Produkt zu einem so günstigen Preis verkauft wird und hier finden sich meiner Meinung nach Anknüpfpunkte für eine Info-Kampagne.
Da stimme ich voll zu. Es gibt zwar die europäische Bio-Norm. Sie ist aber gegenüber Anbauverbänden wie Bioland, Demeter etc. erheblich aufgeweicht. Die meisten sind sich dessen aber nicht bewußt und assoziieren mit Bio aber immer noch das von den Anbauverbänden aufgebaute Image.
Zwar hat die abgespeckte europäische Bio-Norm erst den allgemeinen Bioboom ermöglicht, es ist aber eben nur ein Kompromiss. Und der Abstand dieses Kompromisses zu Nicht-Bio kann unter Umständen sehr sehr klein sein.
Wer ist denn z.B. der Hersteller des REWE Bio Süßes Hühnchen-Curry? Wie sieht die Zutatenliste aus?
http://www.testschmecker.de/2008/05/02/susses-hahnchen-curry-rewe-bio/
Also ich zahle als Endverbraucher 11 Euro für ein Biohuhn, was auch noch ziemlich groß und schwer ist. Da wundert es mich, dass Ihr so viel als Großabnehmer zahlen sollt.
Als Biokäuferin bin ich es gewohnt, dass die Dinge mehr kosten. Das ist normal und kein Problem. Für Biokost von Frosta würde ich auch mehr ausgeben.
Nachfolgend ein interessanter Artikel, der wieder einmal beweist, dass man als Verbraucher nur noch in die Irre geführt-und “für dumm” verkauft wird (außer bei Frosta natürlich
)
http://www.bild.de/BILD/ratgeber/ratgeber/2010/02/24/foodwatch/verbesserte-rezeptur-etiketten-schwindel-bei-nudelsaucen.html
Ich bin ehrlich gesagt der Meinung, dass um den Bio-Anbau bzw. die Bio-Tierhaltung zuviel Wind gemacht wird.
Wenn wir hier alles auf Bio umstellen würden könnte man die Bevölkerung doch gar nicht mehr aus eigenen Kräften (von der eigenen Fläche) ernähren.
Wesentlich besser finde ich da den integrierten Landbau und eine Tierhaltung die den Lebensweisen der Tiere entspricht. So ist zum Beispiel die Legehennenhaltung im Biolandbau auch nicht immer optimal. Wer schon einmal Kannibalismus bei Hühnern intensiver beobachtet hat, wird die Haltung in Großgruppen, wie sie in der Bio-Produktion praktiziert wird, nicht unbedingt als erste Wahl empfinden.
Für das Fleisch von artgerecht gehaltenen Nutztieren gebe ich auch gerne etwas mehr Geld aus. Dafür darf es dann auch mal etwas weniger sein. Insgesamt essen wir ja hier eh zuviel Fleisch.
[Anm. d. Admin: Ihre Werbe-URL ist gelöscht.]
Der Hauptgrund für BIO ist für mich, dass weniger bis gar keine Pestizide (die das Grundwasser für nachfolgende Generationen verseuchen) und Medikamente eingesetzt werden. Die Zeiten, in denen *alle* biologisch ernährt wurden, sind ja noch nicht so lange her. Die bäuerliche Landwirtschaft ist früher auch ohne die Errungenschaften der Chemischen Industrie ausgekommen. Wenn es nicht mehr möglich sein soll, die Bevölkerung so zu ernähren, dann sind wir halt schon jetzt viel zu viele Menschen.
Bio-TK-Fertiggerichte mit Fleisch können offenbar durchaus recht preisgünstig angeboten werden:
http://www.rewe-express.de/tiefkuehlprodukte/rewe-bio-huehnchen-curry.html
(2,49 EUR / 450 g, REWE Bio Private Label)
Ich bitte um Reverse-Engineering.