Das Reinheitsgebot ist teurer, aber warum?

Gerade soll ich das Packungsdesign eines neuen Produktes freigeben. Auf der Rückseite steht, wie immer, „hochwertige Zutaten“. Finde ich eigentlich ziemlich abgegriffen – das schreibt ja jeder auf seine Packung.

Da ist mir wieder eingefallen, dass ich einmal zusammen mit Björn Ognibeni, unserem online Berater, folgendes getextet habe (es ging darum unsere Preise glaubwürdig zu erklären):

„FRoSTA Produkte sind teurer. Würde FRoSTA sonst übliche Rohwaren verwenden, würde das Fehlen von Geschmacksverstärkern und Aromen sofort geschmacklich auffallen. Das Reinheitsgebot erzwingt somit den Einsatz von deutlich hochwertigeren Zutaten. Man bekommt so ein objektiv besseres Produkt“.

Irgendwie eine gute Erklärung oder? Vielleicht sollten wir das lieber hinten auf unsere Packungen schreiben?

PS: Gute Beispiele für die sogenannten „hochwertigen Zutaten“ sind: Freiland-Tomaten die wirklich Geschmack haben, echt italienischen Parmesankäse (statt Käsearoma oder Käserinden) oder den Meeresfrüchtefond der traditionell aus Krustentieren gekocht wird (statt Aromen). Pro Packung kostet es dann so etwa 0,30 € mehr als andere Marken.

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Felix Ahlers (Vorstand)

Felix Ahlers (Vorstand)

Seit 1999 arbeite ich bei FRoSTA und bin derzeit Vorstandsvorsitzender im Hamburger Büro.
Im Sommer spiele ich Tennis und Kitesurfe gerne! Und natürlich koche ich sehr gerne und manchmal bin ich mit dabei, wenn unsere Produktentwicklung an neuen Rezepten arbeitet...

14 KommentareSchreibe einen Kommentar

  • Ehrlich ja. Aber aus der Marketingsicht würde ich nicht zugeben, dass die eigenen Produkte teuer sind oder andere Produkte aus billigen Zutaten bestehen. Psychologisch gesehen würden diese negativen Formulierungen auf den Aussagenenden übertragen werden.

    Man kann es natürlich auch von der anderen Seite sehen: Diese Art von Ehrlichkeit wäre auf jeden Fall mal total neues in der Lebensmittelindustrie.

  • Eine Erklärung wäre auf jeden Fall besser als „hochwertige Zutaten“. Ich finde den Satz nur etwas unglücklich formuliert. Denn Sinn kann man nicht gleich erfassen, falls man noch nie etwas vom Reinheitsgebot gehört hat.

    Außerdem würde ich schreiben: Frosta Produkte sind preiswert! (Denn sie sind ihren Preis wert!!!)

    Und dann sowas wie: Da unsere Produkte ohne Geschmacksverstärker oder Aromen jeglicher Art auskommen, verwenden wir deutlich hochwertigere Zutaten als Hersteller vergleichbarer Produkte. Genießen Sie den Unterschied!

    Fragt sich nur, ob es da nicht ein wettbewerbsrechtliches Problem gibt. Aber ich hatte irgendwas gelesen über vergleichende Werbung – in der letzten Absatzwirtschaft. Müßte auch im Internet zu lesen sein unter http://www.absatzwirtschaft.de.

  • Diese läppischen 30 Cent sind die besseren Zutaten ja wohl mehr als wert. Das muss man „nur“ verständlich draufschreiben. Dazu kann man Beispiele (wie Tomaten, Käse, Fond) durchaus verwenden.
    Meine persönliche Rechtfertigung für Eure Preise ist aber meistens, dass sie auch nicht teurer sind als eine gute Pizza, aber gesünder allemal.

  • Ja, der Satz ist etwas umständlich und sollte einfacher formuliert sein.
    Bin kein Texter, klau mir hier mal was zusammen:

    ‚Um ohne Geschmacksverstärker und Aromen auszukommen verwenden wir hochwertige Zutaten‘

    So richtig deutlich, aber definitiv nicht PC wäre ja
    ‚wenn wir euch zu teuer sind dann kauft doch die aromatisierten Abfälle der anderen Hersteller – es ist ja eure Gesundheit‘

    *das* würde jedenfalls mal Wellen schlagen ;*)

  • Ach so, ganz vergessen: Vergeßt nicht Euro Blogadresse auf die Verpackung zu drucken, falls sie nicht schon drauf ist! Dort gibt es für den Konsumenten die besten Informationen zum Produkt.

    Wir haben die Blogadresse jetzt auch bald auf dem Geschäftspapier mit dem Hinweis: Schauen Sie hinter die Kulissen der Kelterei.

  • Ich bin ein Marketing-Experte, aber „Frosta Produkte sind teurer“ ist erst mal eine negative Aussage und deshalb nicht so gut.

    Die Begründung allerdings, warum ihr hochwertige Zutaten verwendet, die könnte man schon verwenden. Das ist ein positiver Aspekt.

  • Vielleicht sollten wir kurz anmerken, dass der obige Text aus einem internen Briefing für Agenturen stammt und deshalb so klingt, wie er klingt. Da stand halt die nüchterne Information im Mittelpunkt.

    [Anm. d. Admin: Verlinkte Seite führt mittlerweile ins Leere (403 forbidden), darum wurde sie entfernt.]

  • @Kirstin: „Schauen Sie hinter die Kulissen“. Finde ich eine gute Idee, und gut formuliert. Wir wollen das bei der naechsten Produkteinfuehrung auch machen, mal sehen wie es ankommt! Danke fuer den Tip.

  • Es gab da mal irgendeinen Kosmetikhersteller, der mit „das bin ich mir wert“ seine höheren Preise bewarb. Das fand ich clever.

    Bei Lebensmitteln würde ich so argumentieren: unsere Tomaten/Käse/Fonds sind aus so hochwertigen Zutaten hergestellt, dass wir keine Aromastoffe und Geschmacksverstärker brauchen damit Tomate/Käse/Fond auch nach Tomate/Käse/Fond schmeckt.

    Oder: nur wer minderwertige Zutaten verarbeitet braucht Aromen und Verstärker, damit es ansatzweise hochwertig schmeckt wie bei uns.

    Als Überschrift vielleicht sowas wie: Dinge an denen man besser nicht sparen sollte

    Schade, dass der „Besseresser“ schon vergeben ist 🙂

    Tin@

  • Als Kunde freue ich mich über eine Nachricht, warum das Produkt teurer ist als die daneben liegenden Hausmarken. Da ist der Hinweis auf „hochwertige Zutaten“ genau richtig.

    Im Gegensatz dazu ärgert mich der inzwischen obligatorische Herstellerhinweis, man verwende nur „ausgewählte Zutaten“. Das klingt zwar toll, heißt aber häufig, dass das Auswahlkriterium der Preis der Rohware war…
    Man muss ja nicht verraten, warum man die Zutat ausgewählt hat! 😉

  • Also den ersten Satz „FRoSTA Produkte sind teurer.“ finde ich nicht so gut. Ich denke auch, dass für viele allein schon der Begriff „teuer“ negativ besetzt ist. Und ist der Mehrwert nicht ie 30 Cent mehr wert?

  • Die Aussage kurz auf den Punkt bringen. Schließlich möchte der Kunde im Supermarkt nicht erst einen langen Text durchlesen.

    So wie z.B: „Gute Qualität – Guter Geschmack!“

    Das Wort „teuer“ ist ein NO GO in der Werbung, weil negativ besetzt. Besser positive Worte benutzen und möglichst kurz formulieren.

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