Was gibt es in Araputanga für Peter von FRoSTA?

Eintrag von Erika Völlkopf (Zentraleinkauf)

Wenn man weiß wo Araputanga liegt, ist die Frage einfach zu beantworten. Araputanga liegt in Brasilien und zwar 3,5 Flugstunden von São Paulo in Richtung Nordwesten über Cuiaba und dann noch 5 Stunden mit dem Auto über teilweise abenteuerliche Pisten. Dann ist man in Araputanga mit ca 10.000 Einwohnern. Mitten in einer Region, die von der Fleischproduktion – vornehmlich Rindfleisch – lebt. So ist das auch in Araputanga.

In einer hochmodernen Fabrik wird hier das Gulaschfleisch für FRoSTA produziert. Den Produktionsprozess entsprechend unserem FRoSTA Reinheitsgebot zu überprüfen und etwas vor Ort über die Tierhaltung zu erfahren und zu erleben, das war unser Job. Wir, das waren in diesem Fall mein Kollege Lutz Hänel von der Qualitätssicherung und meine Wenigkeit vom Einkauf.

Nun, eine Reise nach Brasilien, wenn auch nicht mal eine Woche, da sagt jeder: „Oh, da möchte ich mitkommen!“ Aber, so eine Reise war es nicht.
Das Reisetagebuch sieht wie folgt aus:



Sonntag: mit dem Nachtflieger abends von Frankfurt nach Sao Paulo.

Montag: Ankunft um 5.00 Uhr in Sao Paulo und Weiterflug nach Cuiaba. Dort dann umsteigen ins Auto( Geländewagen). Ankunft am frühen Abend in Araputanga. Gott sei Dank war Winterzeit in Brasilien. Die Temperaturen lagen somit nur zwischen 18 – 22 Grad Celsius – plus natürlich. Die Brasilianer froren und trugen dicke Pullover. Wir fühlten uns wie zu Hause. Und von wegen Luxushotel. In Araputanga gehen die Uhren anders. Aber freundlich sind die Menschen. Es wird früh dunkel . Und so saßen wir abends im Schein der Laternen auf einer mehr oder weniger hölzernen Veranda mit festgestampften Lehmfußboden und aßen Rindfleisch vom heißen Stein. Wenn man bislang noch kein Fleischesser war, so wird man es in Araputanga. Es war köstlich. Und dazu frittierte Süßkartoffeln (Batate). Getränk?? Frisch gepresste Fruchtsäfte. Da ist die Auswahl groß. Einheimisches Bier gibt es natürlich auch.

Dienstag: Besuch in der Fabrik. Beginn morgens 8.00 Uhr.Nach der Begrüßung ging es in die Produktion. Überprüfung der Prozesse und der entsprechenden Dokumente, die die Einhaltung unseres Reinheitsgebotes beschreiben und die Grundlage der abgeschlossenen Einkaufskontrakte darstellt. Was wird in diesen Dokumenten beschrieben? Einmal der gesamte Herstellungsprozess mit allen eingesetzten Maschinen, allen Zutaten, soweit von FRoSTA akzeptiert. Natürlich auch die Festlegung welches Teilstück von Rind verwendet wird. Dann Fragen zur Überprüfung des Hygienestandards. Eine sehr umfangreiche Überprüfung aller betrieblichen Kontrollen, aber auch Kontrollen im Betrieb an den Maschinen und anderen Einrichtungen. Die brasilianischen Produzenten kennen als Exporteure ihrer Produkte in alle Welt das Arbeiten nach speziellen Anforderungen und Spezifikationen. Eine Voraussetzung, die man als Produzent im internationalen Geschäft erfüllen muß. Mit dem Ergebnis konnten beide Seiten zufrieden sein. Um 13.00 Uhr war dieser Teil der Fleischverarbeitung abgeschlossen. Jetzt wollten wir uns über die Tierhaltung in Brasilien informieren und dies auch in der Praxis erleben. Also ging es auf eine Hazienda 20 km von der Fabrik entfernt. Größe: 1.200 ha, Viehbestand 5.000 Rinder. Aber wo waren die Rindviecher bloß? Erst konnten wir gar keine Tiere entdecken.Dann trieben die Gouchos einige Tiere zusammen. Bilder haben wir davon natürlich mitgebracht.
Es sind keine Tiere, die man streicheln kann. Sie leben ihr Leben in der Freiheit der brasilianischen Savanne und haben den Menschen fast vergessen. Aber neugierig sind sie. Doch näher als 5 m lassen sie keine Annäherung zu, dann geht es im Galopp ab in die andere Richtung.

Hier nun eine kurze Beschreibung der Tierhaltung in Brasilien:

  • Es handelt sich um ausschließliche Freilandhaltung
  • Es gibt keine Stallhaltung für Fleischrinder
  • Rasse: Zebu-Rinder
  • Eine Zufütterung von Kraftfutter erfolgt nicht
  • Die Tiere leben von der natürlichen Fauna. Lediglich Mineralsalz in Form von Lecksteinen bekommen die Tiere zusätzlich.
  • Die Rückverfolgbarkeit ist bei großen Farmen bis zum Muttertier gegeben, bei kleinen Farmen bis zum Aufzuchtbetrieb
  • Ohrmarken bekommen die Tiere erst nach einer Überprüfung durch den staatlichen Veterinär
  • Nur Tiere mit diesen Ohrmarken werden zur Schlachtung für den Export zugelassen
  • Diese Dokumente sind einsehbar (haben wir auch getan) und liegen beim Farmer und Schlachtbetrieb vor
  • Die Distanzen der Tiertransporte sind begrenzt. Max. Entfernung 200 km. Dabei darf eine Transportzeit von 3 – 4 Stunden nicht überschritten werden

Um 18.00 Uhr war unser Besuch auf der Hazienda beendet. Danach ging es 4 Stunden im Geländewagen zurück nach Cuiaba. Hier wurde noch einmal übernachtet und am…

Mittwoch: Rückflug nach Hause

Donnerstag: zu Hause fragen mich alle Kollegen, wie es im Urlaub war…


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Erika Völlkopf

Erika Völlkopf

Arbeitet in der Abteilung "Einkauf"

10 KommentareSchreibe einen Kommentar

  • Spannend! Ich wäre auch gern mitgekommen, so wie Ihre Kollegen.
    Aber zwei Dinge machen mir Sorgen: was müssen das für Rinder sein, die sich an der örtlichen Fauna gütlich tun? 🙂
    Und wächst in Brasilien statt Savanne nicht eigentlich Urwald? Hat FRoSTA Regeln, die Weidewirtschaft auf Abholzungsflächen ausschliessen? Das würde mich sehr interessieren.

  • Business fliegen wir nur bei long-distance Flügen. Mit anderen Worten, über den großen Teich. Alles andere, innerhalb der Kontinente, wird in der economy-class geflogen.

  • Ein sehr interessanter Bericht! Auch ist diese Seite für Firmen interessant, die nach kompetenten Einkäufern suchen! So kann man sich das Geld für teure „Headhunter“ sparen.

  • Interessant. Finde ich gut !
    Aber irgend was stimmt mit dem Artikel leider nicht :-))
    Das ist die Zeitverschiebung. Am nächsten Tag gleich um 8.00 Uhr aufstehen bei 6 Std. Zeitunterschied ! Locker und Flockig….
    Arbeiten
    8.00 Uhr – 6 Std. = 2.00 Uhr gewöhnte Zeit. Boa, Ihr beschäftigt Cyborks …..
    Na hoffentlich stimmt das alles noch mit den Genen …:-))
    Beste Grüße
    Hag

  • Araputanga liegt voll im Entwalödungsgürtel Brasiliens. Auch wenn im Matogrosso eher Soyaanbau Entwaldungsursache Nr1 ist, gilt für den tropischen Regenwald, v.a. für Amazonas, die Rinderzucht als Entwaldungsursache Nr1. Es gibt inzwischen Zertifizierungen für Rinderfarmen die innerhalb der letzten Jahre keinen Primärwald abgeholzt haben. Dieser Betrieb gehört wohl nicht dazu, sonst wäre das wohl erwähnt. Interessant auch daß Sie hier fleischfressende Rinder haben die sich von der heimischen Fauna ernähren. Freilandhaltung bedeuted hier auf ehemaligem abgeholztem Regenwald in extensiver Nutzung mit meist nur 1 Rind pro Hektar, schön fürs Rind, vernichtend für die Umwelt, Regenwald und Klima.
    Beste Grüße aus Berlin

  • Was ist denn mit fleischfressenden Rindern gemeint? Bekommen die statt Gras Fleischabfälle zu fressen (wie zu BSE-Zeiten)? Wozu dann noch Waldrodung?

    Letztlich ist der Hauptgrund für alle Umweltprobleme die *Anzahl* der Menschen. Selbst wenn alle sich auf das Allernötigste beschränken (sowohl bei Lebensmitteln als auch in anderen Bereichen), dann macht die nächste Verdoppelung der Menschheit alle Anstrengungen wieder zunichte. Außerdem ist es meines Erachtens nicht erstrebenswert, dass alle Menschen auf niedrigstem Niveau dahinvegetieren. Mit einer oder einer halben Milliarde Menschen hätte man die meisten Probleme nicht mehr. Es könnten dann alle soviel Fleisch und Fisch essen wie sie wollen (und bezahlen können). Wenn man aber die Anzahl der Menschen ungebremst weiter wachsen läßt, dann werden irgendwann *alle* Resourcen knapp werden.

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