„Das Projektmanagement“ – Die Serie

Was bisher bei „Das Projektmangement“ geschah:
Vor einigen Tagen habe ich berichtet, wie wir im ersten Teil unseres Projektmanagement-Seminars in zwei Gruppen gegen einander antreten mussten, um einen Werbefilm über unser Hotel zu drehen mit 0 Euro Budget.

Schauen wir uns dieses Hotel doch einmal näher an. (Namen und Ort nenne ich hier lieber nicht.) Um das Positive vorweg zu sagen: Die Zimmer und sonstige Räumlichkeiten waren durchaus in Ordnung. Mal abgesehen von dem Duschvorhang, der bei einem Kollegen plötzlich herunterfiel, weil er nur an einer billigen Teleskopstange hing, die einfach zwischen den Duschwänden festgeklemmt war.

Leider hatte das Materialmanagement (neudeutsch für: Einkauf) des Hotels die optimale Bestellmenge für Croûtons und Cremesuppe leicht überschritten. Zum Abbau dieser Überbestände hatte man sich unsere Gruppe ausgesucht. Und so gab es fast bei jeder Mahlzeit die Cremesuppe. McDonald’s wird oft dafür gerühmt, es zu schaffen, dass der Big Mac in jedem Land gleich schmeckt. So war es auch mit unserer Cremesuppe. Die offizielle Bezeichnung der Suppe und die Farbe wechselten zwar wie die Farben des Regenbogens, der Geschmack aber blieb jedes Mal der gleiche. Dass es für ein Restaurant möglich ist, dieses Niveau auch über einen längeren Zeitraum zu halten, merkten wir beim 2. Teil des Seminars. 2 Monate waren vergangen, doch der Geschmack der Cremesuppen war immer noch der gleiche. Und oben drauf meistens Croûtons. Und wenn nicht auf der Cremesuppe, dann auf dem Hauptgericht.

Bei diesen erhöhten Kosten für die Lagerhaltung von Cremesuppe und Croûtons ist es, wie wir feststellen mussten, dann wohl auch nicht mehr möglich, zusätzlich noch die handelsüblichen Kräuter, Gewürze und sonstige Ingredienzien zur Verfeinerung der übrigen Speisen ausreichend zu bevorraten, so dass auch der restliche Speiseplan bei uns auf wenig Gegenliebe stieß. Aber keine Angst: Wir sind trotzdem nicht verhungert. Allerdings vor Verwunderung an einem Abend fast vom Stuhl gefallen, als die Bedienung, die am Kopf des Tisches mit dem Essen stehen blieb, uns, die wir zu fünft nebeneinander in einer Reihe saßen, auf einmal bat, ob wir nicht die Teller mit dem Essen mal kurz bis nach hinten durchreichen könnten. Zwar wäre es problemlos möglich gewesen, hinter uns vorbei zu gehen und, wie in Restaurants üblich, von hinten den Teller zu servieren, aber warum nicht auch mal wieder ein wenig Schullandheim-Atmosphäre aufkommen lassen. Fühlt man sich doch gleich viel jünger!

Doch das Hotel hat noch andere interessante Seiten parat, nämlich die Geschichte von Frau Mahlzahn & Co. (Der Name wurde von der Redaktion geändert.) Frau Mahlzahn war im Hotel offenbar als offizieller Hausdrache eingestellt. Jedenfalls benahm sie sich so. Sie ist sich nicht zu schade, sich vor uns als Gästen mit einer Dame der Rezeption darüber zu streiten, wer denn eine falsche Eintragung in einem Rezeptionsbuch zu verantworten hat. Nachdem man sich dann einvernehmlich über die Schuldige geeinigt hatte, fielen Worte wie: „Die nehm’ ich mir noch vor.“ Zuvor hatte ich im Vorbeigehen schon mitbekommen, wie Frau Mahlzahn zu einer Putzfrau sagt: „Sie wissen doch, Frau X.: Wer pfuscht, fliegt!“

Kein Wunder also, wenn auch der Rest der Hotel-Besatzung uns als Gästen gegenüber eher genervt gegenübertrat. Wir sind bei FRoSTA in Bremerhaven und Hamburg schon eine relativ große Anzahl von Mitarbeitern. Und ab und zu werden für die Mitarbeiter auch Seminare angeboten. Somit wären wir von FRoSTA eigentlich auch für die Zukunft potentiell gute Kunden. Das schien sich aber beim Personal noch nicht so ganz rumgesprochen zu haben, denn wenn wir mal Hilfe und Unterstützung oder einfach nur eine kleine Auskunft bei unseren Projekten vom Personal erbaten, waren die waren die Reaktionen irgendwo zwischen Unlust und Patzigkeit angesiedelt. Von wenigen positiven Ausnahmen einmal abgesehen. Das soll jetzt bitte nicht so klingen, als ob unsere Gruppe nun besonders anspruchsvoll gewesen wäre. Wirklich nicht mehr als man als normaler Gast eines Mittelklasse-Hotels mit angeschlossenem Restaurant erwarten kann.

An einem Abend hatte ein Kollege abends im Restaurant ein wenig Rotwein auf der Tischdecke verschüttet. Jedes Mal, wenn Frau Mahlzahn an den Tisch kam, hat er Blut und Wasser geschwitzt und ganz verlegen, die Serviette über das Malheur gelegt. Man weiß ja nie, ob man sonst das Ende des Seminars sonst noch heil erlebt. 😉 Für uns stand fest: Unseren Urlaub werden wir da nicht verbringen.

Dass es auch anders geht, bewies der Elektronikhändler Bening. Unsere Konkurrenz-Gruppe beim Film-Projekt brauchte noch einen Laptop, um den gedrehten Film zu schneiden. Nach kurzer Erläuterung des Problems und ein wenig Überredungskunst unseres Kollegen, war man dort bereit, unserem zweiten FRoSTA-Team kurzfristig einen Laptop kostenlos zu leihen. Das nenn ich doch mal Kundenfreundlichkeit. Vielen Dank!

Demnächst bei „Das Projektmanagement“:
Wie wir mit Cleverness, Können, Erfahrung, Wissen und ein wenig Schummeln die Hauptaufgabe des zweiten Teils lösen. Und wir zeigen, dass es möglich ist, Cremesuppe auch mal anders und besser zuzubereiten.
😉

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Frank Ehlerding (Controlling)

Frank Ehlerding (Controlling)

Controlling

12 KommentareSchreibe einen Kommentar

  • @ Martin
    Leider haben sich einige unserer Darsteller dazu entschlossen, die beiden durchaus witzigen Videos vorerst nicht der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

    Sollte sich die Meinung der Gruppe noch ändern, werde ich das hier natürlich bekannt geben.

  • Hallo Herr Ehlerding,

    haben Sie diesen Bericht mal an das beschriebene Hotel geschickt? So als „Anregung zur Verbesserung“?

    Wenn ja, wäre die Reaktion mal interessant. 😉

    Vor allem die vom Hausdrachen *fauch*

  • @ Frank

    ich würds machen. Der Hausdrachen kommt bestimmt nicht aus Stade bis zu Ihnen *lach* (war doch Stade, oder?) Dafür verbratet die gute Dame Ihre Energie ja im Hotel.

    Im übrigen: der Service von diesem Elektronikhändler Bening ist klasse. Mal so nen Laptop leihweise zur Verfügung stellen…. nicht schlecht.

  • Ein wirklich toller „Reisebericht“! Das ist „Projektmanagement live“.
    Am besten hat mir die Stelle mit dem Rotweinfleck gefallen. Mir fallen spontan etliche Kollegen ein, die genauso reagiert hätten – mich eingeschlossen. Wobei ich mir gut vorstellen kann, dass die größte Herausforderung in dieser Situation vermutlich darin bestand, sich das Lachen zu verkneifen sobald Frau Mahlzahn auftaucht. ;-))
    Grüße an den Kollegen…

  • @ Mario
    Ich hoffe, ich habe keinen Fehler gemacht, die Firma zu nennen. Nicht, dass jeder da jetzt hinrennt und meint: „Ich hätte gerne mal einen Laptop ausgeliehen.“
    😉

  • Sehr geehrter Herr Frank Ehlerding vom Controlling!
    Ich freue mich, das es endlich mal den richtigen getroffen hat. Die Controller sind doch meist die ersten, die die Kollegen schröpfen und wie heißt es doch so häufig auf den Firmenjubiläum: „Hätten wir am Start einen Controller gehabt, so würden Sie heute nicht hier sitzen“. Ich hätte jedem Controller morgens, mittags und abends nur diese Suppe gegben. Sonst nichts!
    Sie werden hoffentlich nicht demnächst für Low Cost Produktion bei den Werbefilmen stehen. Gott beware uns vor den Controllern. Die sollen die Zahlen zusammenziehen (falls es Exel nicht schon automatisch macht) und mehr nicht. Sie dürfen auch die Finger in die Wunde legen, aber nicht entscheiden. Trotzdem schönen Sonntag noch

  • @ Andreas
    Irgendwie habe ich den Eindruck, da hat jemand mal schlechte Erfahrungen mit Controllern gemacht. Was das mit meinem Beitrag zu tun hat, da bin ich noch am rätseln. Aber vielleicht komme ich noch drauf.
    [Oder fühlt sich da gerade jemand auf den Schlips getreten? Ich habe den Namen des Hotels doch gar nicht genannt! 😉 ]

    Man muss aber kein Controller sein oder Excel beherrschen, um zu erkennen, ob ein Hotel sich um die Gäste bemüht oder nicht. Und man braucht auch selber nicht kochen zu können, um zu wissen, ob das Essen abwechslungsreich ist und schmeckt oder nicht. Nach den internen Reaktionen der am Seminar beteiligten Kollegen aus verschiedenen Abteilungen zu urteilen, liege ich mit meiner Einschätzung ziemlich richtig. Und das, erstaunlicher Weise, obwohl ich im Controlling arbeite 😉

  • Sehr geehrter Herr Frank Ehlerding vom Controlling!
    Die armen Einkäufer werden vom Controlling das ganze Jahr drangsaliert, damit diese die Kosten drücken. Nicht nur für die Rohwaren, sondern auch für Seminare und Hotelbuchungen. Dann bucht der Einkäufer schon mal ein Hotel, welches immer eine gleichschmeckende Suppe anbietet. Das Essen von Frosta schmeckt auch immer gleich gut oder gleich schlecht. Das ist nichts anderes als im Hotel.
    Zu den Erfahrungen mit Controllern, kann ich nur sagen, das es eigendlich nur wenige gibt, die was drauf haben.

  • Ja ja, die armen Einkäufer. Gehören Sie etwa auch zu dieser geknechteten Spezies? Das täte mir sehr leid. Man merkt Ihnen den Ärger schon deutlich an. Leider kann ich für ihre offenbar traumatischen Begegnungen mit den Controllern aus ihrer Firma keine Verantwortung übernehmen. Da sollten Sie Ihren Frust schon mit denen persönlich klären. Andreas, seien Sie ein Mann! Gehen Sie gleich morgen zu Ihrem Ober-Controller und sagen Sie ihm deutlich ins Gesicht, was Sie von im halten, dass Sie diese ständige Quengelei satt haben, dass Sie sich nicht länger auf der Nase herumtanzen lassen! Solch eine offene Kommunikation wirkt meist Wunder und sorgt für klare Verhältnisse. Ich bin da ganz bei Ihnen. Andreas, ich drücke Ihnen von ganzem Herzen die Daumen, dass das klappt. 😉

    Melden Sie sich doch bitte mal, wenn Sie das mit ihm geklärt haben. Es würde mich interessieren, wie Ihr Controller reagiert hat und vor allem, ob Sie sich dann besser fühlen.

    Nebenbei: Ich habe mal den Spruch gehört, dass ein guter Controller in den anderen Abteilungen nie wirklich beliebt sein kann. Da steckt vielleicht ein kleines bisschen Wahrheit drin. Von daher haben Sie offensichtlich in Ihrer Firma ziemlich gute Controller. Andererseits ist man hier bei FRoSTA durchaus mal anderer Meinung als wir Controller. Trotzdem haben wir grundsätzlich ein positives Verhältnis zu allen Abteilungen. Sogar zum Einkauf.

    Ansonsten frage ich mich immer noch, was Ihr Kommentar mit meinem Beitrag zu tun hat, zumal der Einkauf bei uns für unsere Weiterbildung und die Hotels nicht verantwortlich ist. Ein Kollege aus dem Einkauf war auch mit bei uns im Team und trotzdem ganz unserer Meinung. Und was noch wichtiger ist: Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft den Gästen gegenüber bieten sogar Hotels, die noch viel weniger kosten als das unsere!
    Ab und zu bekommt man sogar von mir mal einen freundlichen Kommentar.
    Sogar umsonst.
    Wenn mir danach ist. *grrr*
    Und wer hier der Meinung ist, wir vom FRoSTA-Blog hätten immer gute Laune, auch wenn die Kommentare noch so sch#§&$ sind, der hat verdammt noch mal vollkommen recht! *knurr*
    😉

  • Ihre Aussage: „Leider hatte das Materialmanagement (neudeutsch für: Einkauf) des Hotels die optimale Bestellmenge für Croûtons und Cremesuppe leicht überschritten.“

    Die haben im Hotel bestimmt einen ganz guten Controller und deshalb hat der Einkauf gleich die Jahresmenge an Suppe bestellt.

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