00Praktikant – In Diensten Ihrer Qualität!

Eintrag von Phillip Henschel (Praktikant)

Zugegeben, der Originaltitel klingt irgendwie spannender, ich bin weder Geheimagent noch unterwegs in geheimer Mission gewesen. Allerdings hatte ich Dienstag die Möglichkeit einen Blick in das Allerheiligste von FRoSTA zu werfen, die Produktionshallen im Hauptwerk in Bremerhaven.

Dienstag war der erste Arbeitstag für alle neuen Auszubildenden bei FRoSTA. Neu ins Berufsleben gestartet sind angehende Industriekaufleute, Mechatroniker und natürlich Lebensmitteltechniker. Zum ersten Arbeitstag gehört traditionell ein kleiner Rundgang durch die Produktion und dem durften sich auch die Praktikanten aus dem Büro in Hamburg anschließen. Nach dem man sich schon einige Zeit theoretisch mit der Materie beschäftigt hat, ist es natürlich toll auch mal die Praxis besichtigen zu dürfen. Also den Dienstwagen vom Chef geschnappt und ab auf die Autobahn in Richtung Bremerhaven…

In Empfang genommen hat uns Frank Homann von der Qualitätssicherung. Er hat auch später die Werksführung geleitet. Vorab gab es jedoch erst einmal eine Einweisung in Sachen Hygiene. Eine halbe Stunde lang wurden uns die Basics beigebracht warum Hygiene gerade in der Lebensmittelherstellung so wichtig ist und wie sehr sie über die bekannte häusliche Reinlichkeit hinausgeht. Zum Beispiel dürfen keinerlei Uhren, Ringe oder sonstige Schmuckstücke getragen werden, da sich zwischen diesen und der Haut gerne eine Menge „ungebetener Gäste“ einnisten. Diese „ungebetenen Gäste“ waren auch Hauptdarsteller in einem kurzen Lehrfilm  über die Hygiene in der Lebensmittelindustrie. Gemeint waren natürlich Bazillen, Viren und Hefen – oder kurz Keime. Diese sind grundsätzlich unerwünscht und damit sie nicht mal ansatzweise in die Produktionshallen gelangen, durften wir uns alle mit weißen Einwegkitteln und topmodischen Kopfhauben einkleiden. Für Eitelkeiten ist so eine Produktionshalle der absolut verkehrte Platz.

Wie waren leider sehr spät dran und die meisten Produktionslinien waren quasi schon kurz vor Feierabend und wurden gereinigt. In vollem Gange war aber z.B. noch die Produktion der „Piratenstäbchen“ (also FRoSTA nennt sie ja „Piraten Stäbchen“, aber ich will an dieser Stelle der leidigen Diskussion um die Schreibweise mal aus dem Weg gehen). Gleich zu Beginn des Herstellungsprozesses begegnete mir die zu Blöcken gefrostete Fischrohware, die ich schon von einem Bild aus dem Blog – Eintrag von Herrn Dr. Bosselmann kannte. Die Blöcke werden in mehreren Arbeitsschritten immer weiter aufgesägt bis schließlich die Piratenstäbchengröße übrig bleibt.

Diese werden dann paniert, durchlaufen eine riesige Friteuse um dann bei minus 38°C innerhalb von 30 Minuten auf minus 21°C tiefgekühlt zu werden. Ich habe ja schon erwähnt wie spät wir dran waren, und Mittag gegessen hatte ich bis zu dem Zeitpunkt auch noch nicht. Da war es ganz schön gemein an der Produktion vorbeigeführt zu werden.

Von dem Produktionsbereich für Fisch ging es weiter zu den Fertiggerichten. In der Mitte zwischen diesen beiden Produktionsbereichen liegt das Hochregallager. Man musste schon tierisch aufpassen, denn die Staplerfahrer halten sich, zumal ihre Arbeitsgeräte rot sind, alle für kleine Schumis. Platz für 8512 Paletten hat  das Hochregallager und natürlich ist alles computergesteuert. Menschen dürfen während des Betriebes da leider gar nicht rein, obwohl mich das schon interessiert hätte. Schade! Von der eigentlichen Produktion der Fertiggerichte war nichts mehr zu sehen. Überall wuselten schon diverse Reinigungstrupps durch die Hallen und putzten die Anlagen. Nur das Abpacken konnte ich noch beobachten, wie die Ware von oben in einen Portionierer fällt, von dort in die Tüte, einschweißen, weiter auf’s Fließband und ab in die Kartons. Alles in rasender Geschwindigkeit. Was könnte man da für Arbeitsplätze schaffen wenn die Tüten von Hand zugeschweißt werden würden. Aber das wäre ja wie im Knast (altes Gerücht, ich war dort ja nie) und unwirtschaftlich obendrein.

Spannend zu sehen wäre die Herstellung der eigenen Pasta gewesen, aber diese Maschine stand leider auch schon still. Dafür konnte man einen Blick in den Froster werfen, was während der laufenden Produktion wiederum nicht möglich ist. Hier kommen die fertigen Nudeln an, werden mittels eines Gebläses in der Luft gehalten und freischwebend bei minus 38°C gefrostet. Alleine vor dem Gerät stehend, habe ich schon ziemlich kalte Füße bekommen und will gar nicht wissen wie sich so eine Nudel fühlen muss.

Alles in Allem hat sich der Besuch aber trotzdem gelohnt und wenn ich nochmals die Möglichkeit bekommen sollte zu einem anderen Zeitpunkt die Produktion zu besuchen, werde ich das auf jeden Fall wahrnehmen. Na ja, es sei denn gleich zu Arbeitsbeginn um halb vier Uhr morgens. Das ist schon verdammt früh…

 

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Phillip Henschel

Phillip Henschel

ehemaliger Diplomand

14 KommentareSchreibe einen Kommentar

  • Jetzt muss ich doch mal fragen: Praktikanten waren früher Schüler oder Studenten, jetzt sind es Vollakakdemiker, die froh sein dürfen 6 Monate im Marketing für lau die Arbeitslosigkeit bis zur nächsten Praktikantenstelle überbrücken zu dürfen. Ist Phillip Henschel jetzt so einer oder Schüler oder Student?

  • schöner beitrag.

    ich muss übrigens gestehen: aufgrund der tatsache, dass ich diesen blog lese und dadurch zum ersten mal auf das reinheitsgebot aufmerksam wurde, habe ich neulich mal ganz bewusst so ein frosta-fertiggericht gekauft und probiert. jo, schmeckt prima. wird bestimmt nicht die letzte tüte gewesen sein. der grosse gemeine konzern hat sein finsteres kommerzielles ziel also bei mir erreicht 😉

  • Den Bericht finde ich sehr interessant. Ich bezweifle, dass es viele Lebensmittelhersteller gibt, die ihre Praktikanten mit Digitalkameras durch die Produktionsstätte laufen lassen.
    Und der Bericht ist schön lässig geschrieben 🙂

  • Hallo marcc!

    Nein, so einer bin ich nicht. Den Schüler habe ich hinter mir und den Vollakademiker hoffentlich vor mir. Aber noch bin ich Student, also genau in der Mitte!

  • Ja „Generation Praktikant“. Ein Unding. Ich bekomme es hier immer wieder mit, dass Studenten und Studentinnen bei den ach so hippen Werbeagentur für 200 Eur im Monat arbeiten – oder gar für lau.

    Manche Unternehmen „leben“ nur von Praktikanten – alle 6 Monate ’n Neuen.

    Ich bin der Meinung, die Studierenden sollten da mehr Selbstbewusstsein zeigen und eine entsprechend angemessene Vergütung einfordern. Wenn das alle machen, wird kein Unternehmen, keine hippe Werbeagentur umhin kommen dies zu zahlen.

    Nur tarut sich das keine(r).

  • Hallo, von der „Generation Praktikum“ haben wir natuerlich auch gehoert. Bei uns bekommen jedenfalls alle Praktikanten, sobald Sie Studenten sind, 380 Euro pro Monat. Sicher auch nicht gerade ein Top Gehalt – aber immerhin. Auch suchen wir nicht gezielt nach Praktikanten um irgendwelche Stellen zu besetzten. Es sind immer spontane Anfragen. Leider koennen wir auch nicht alle Praktikanten aufnehmen, da wir immer ein interessantes Projekt anbieten wollen und die Einarbeit relativ aufwendig ist. Aber zugegeben, Praktikanten helfen uns oft sehr und manche Dinge koennten wir ohne sie niemals machen….dafuer an dieser Stelle ein grosses Danke an Alle unsere Praktikanten!!!! Gruesse Felix Ahlers

  • Uwe, das mag immer ab und an so sein, aber manche Firmen haben wirklich sehr ausgeprägte „Beziehungen“ zu den Praktikanten, so stellt ein IT-Systemhaus hier in der Nähe z.B. meistens Praktikanten nach dem Praktikum fest ein. (Also nicht jeden, sondern die die sich durch besonderes können, etc. hervortun.)

    Damit will ich nicht abstreiten das gerade in der Werbebranche Praktikanten quasi ausgenommen werden, jedoch kann man nicht pauschal behaupten, dass Praktikanten grundsätzlich billiges „Menschenmaterial“ sind. Niemand wird dazu gezwungen eine spezielle Praktikumsstelle anzunehmen, wer die Vergütung nicht in Ordnung findet, kann ja verhandeln oder eine andere suchen.

  • wer hätte erwartet, dass in einem blog von frosta so viel los ist! hier kann man echt ordentlich rumlesen und stöbern. klingt und ist wahrscheinlich auch alles voll authentisch, und ausserdem echt forschrittlich. bravo, peter 😉

  • Ich muss FRoSTA jetzt mal verteidigen. Ich habe vor nicht allzu langer Zeit ein Praktikum bei der FRoSTA AG absolvieren dürfen. Das Studium Lebensmitteltechnologie sieht ein Praxissemester vor. Und man kann sich nur glücklich schätzen dieses bei FRoSTA zu absolvieren. Ich habe jedenfalls sehr viel gelernt und viele sehr nette Leute kennengelernt.

    Vielen Dank!

  • bin relativ neu im blogg-geschäft (verzeiht daher mein ungefülltes weblog; und/oder schaut drauf und tut was, dass es sich ändert) und frage mich ernsthaft, ob corporate blogging wirklich unumgänglich wird für firmen?! was sagt Ihr dazu?

    oder habt Ihr irendwelche studien, aufsätze, etc, parat, die behaupten, dass blogging für die marktwirtschaft völlig unnütz ist?

    http://prlog.blogg.de

    mfG
    Christoph

  • Also 380€ halte ich, unter Betracht des Lohns den anderen namhaften deutschen Firmen ihren Praktikanten zahlen, für eine Frechheit. Aber wer sich versklaven lässt, selber schuld!

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