Schuld und Sühne – oder auch: Heul doch!

Wer ab und zu in Kino geht oder sich im Fernsehen mal irgendwelche Spielfilme oder auch Serien ansieht, wird mit Klischees nur so vollgemüllt. Auf ein Ereignis, das in solchen Machwerken einen Stammplatz hat, möchte ich hier mal kurz besonders hinweisen, weil es keines ist, was einem vordergründig sofort ins Auge fällt. Doch aufgrund seines gehäuften Auftretens in wirklich fast allen Filmsparten, von Horrorsreifen bis Liebesfilm würde ich es glatt als:

„Die größte Lüge Hollywoods“

bezeichnen.

Folgendes: Wenn in einer Filmhandlung die Dinge zwischendurch mal eine negative Wendung nehmen, sie vielleicht sogar aussichtslos erscheinen und der / die / das Böse dabei ist zu triumphieren, dann kommen sie hervor gekrochen, diese heulsusigen Weicheier und jammern den umstehenden Personen mit folgenden Worten die Ohren voll:

„Es … es ist alle meine Schuld!“

Dann folgen meist solche geschluchzten Sätze, die grob wie folgt lauten: „ … hätte ich (nicht) … bla, bla, bla, … dann wäre niemals … bla, bla, bla, …“

Und falls Ihnen dieser Dauerbrenner unter den Filmzitaten bisher noch nie bewusst geworden ist, werden Sie bestimmt jetzt drauf achten. Und ich verspreche Ihnen, es wird nicht lange dauern, bis er Ihnen über den Weg läuft. Das schöne an diesem Klischee ist, es kann von fast allen handelnden Personen erfüllt werden, egal ob Haupt- oder Nebenfigur, ob männlich oder weiblich.

Doch nach diesen Geständnissen geht es noch weiter. Zwar folgt manchmal ein wenig Überraschung und / oder Empörung der umstehenden Personen, doch das ist oft nur ein Übergang zu einem weiteren Klischee. Während ich selber fast immer noch denke: „Ach, heul doch, alte Memme!“, fallen die umstehenden Personen im Film auf diese Mitleidsmasche nämlich auch noch rein und meinen dann tröstend:

„Nein, du konntest nichts dafür. Selbst wenn du … bla, bla, bla, … hättest du das niemals verhindern können.”

Nun stelle man sich mal folgende fiktive Situation vor: Bei unserer wöchentlichen Geschäftsleitersitzung sitzen unsere Abteilungsleiter und Vorstände von FRoSTA beisammen und es wird darüber berichtet, dass wir einen großen wichtigen Auftrag eines Handelskunden verloren haben. Betretenes Schweigen, weil keiner weiß, wie das passieren konnte. Schließlich steht einer unserer Vorstände auf und bekennt unter Tränen, während er sich ins Taschentuch schnäuzt: „Es ist alle meine Schuld! Hätte ich nicht auf die hohen Verkaufspreise bestanden, hätten wir den Auftrag noch bekommen.“

Oder einer unserer Einkäufer steht auf und jammert: „Es … es ist alle meine Schuld! Hätte ich bei unseren Lieferanten besserer Rohwarenpreise verhandelt, hätten wir günstiger kalkulieren können. *schnief*“ Nein, das kann ich mir alles wirklich nicht vorstellen. Zumindest nicht hier in Deutschland. Vielleicht noch in Japan. Da wiederum wartet man ja fast schon darauf, dass ein Manager zur Bekräftigung seiner Reue mal eben das Kurzschwert aus dem Kimono kramt und sich selbst mit ernster Miene den Blinddarm akupunktiert. Na ja, Reue schön und gut, aber man kann alles auch wieder übertreiben.

Doch auch hier bei unserem fiktiven FRoSTA-Fall gibt es noch Teil 2 zu begutachten. Gesetzt den unwahrscheinlichen Fall, es würde tatsächlich jemand ein solches Schuldeingeständnis tätigen, glauben Sie im Ernst, jemand der anderen Sitzungsteilnehmer würde dem Häufchen Elend tröstend zur Seite springen und sagen: „Nein, machen Sie sich keine Vorwürfe. Sie konnten doch nichts dafür.“ Vielleicht sogar noch ergänzt um: „Letztendlich tragen wir doch alle Schuld daran…“ *huhahah, gröhl* Doch im Leben nicht, oder?! Alle wären doch froh, dass die Suche nach dem Schuldigen ein schnelles Ende gefunden hat und man selbst dabei nicht mal einen Kratzer abbekommen hat.

Gut, wir als Controller wissen natürlich, dass es eigentlich sehr viel wichtiger ist, eine Lösung zu finden, wie man die gemachten Fehler zukünftig vermeiden kann, als den Verursacher an den Pranger zu stellen. (Wir als Controller sind selbstverständlich der Prototyp des Gutmenschen, da passiert so was nie! :-)) Aber Schuldfragen klären ist nun mal auch heute noch eines der beliebtesten Gesellschaftsspiele, das wird man wohl auch in Zukunft nicht so schnell klein kriegen. Und ich bin mir sicher, das ist nicht meine Schuld. Zumindest nicht alles … 😉

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Frank Ehlerding (Controlling)

Frank Ehlerding (Controlling)

Controlling

5 KommentareSchreibe einen Kommentar

  • Meiner Meinung nach hat das Controlling versagt.
    Es wird ja sicherlich ein Einkaufscontrolling geben. Die Einkäufer ziehen sich immer gerne warm an und wollen am Jahresende mit positiven Abweichen dastehen. Dieses müssen die Controller frühzeitig erkennen und gegensteuern.
    Die Vertriebsleute sollen sich mehr anstrengen und bei scharf kalkulierten Verkaufspreisen aussteigen. Dann brauchen Sie anschließend auch nicht zu weinen.
    Fazit: Gute Vorgaben vom Controlling steuern das Unternehmen richtig. Wenn dann alles stimmt, braucht auch keiner mehr über verlorene Aufträge zu trauern. Geld wechseln macht auch nicht glücklich. Das vertuscht nur, sich rechtzeitig um neue Geschäftsfelder zu kümmern. Alten soll man nicht nachtrauern. Es gibt viele Beispiele für negative Geschäftsentwicklungen weil das Controlling absolut versagt hat. Damit meine ich noch nicht mal das totalversagen bei der Banken und Finanzkrise. Da haben alle Betriebswirte und Controller gepennt.

    • Tja, lieber Controlling-Gegner, wie ich schon sagte, Schuldfragen klären ist ein schönes Hobby und offenbar auch Ihres. 🙂 Aber da muss ich Sie leider enttäuschen. Im Normalfall liefert das Controlling nur Entscheidungsgrundlagen. Tatsächlich entscheiden tun grundsätzlich andere. Das ist ja auch das schöne an unserem Job: Die Verantwortung können wir immer anderen zuschieben. 😉 Und da können wir als Trainer uns noch so gute Taktiken ausdenken, verwandeln muss der Stürmer vor dem Tor immer noch selber. Und man hat es schon erlebt, dass nicht auf das Controlling gehört wurde…

      Direkt verhandeln mit Kunden / Lieferanten tun wir im FRoSTA-Controlling übrigens auch nicht. Wenn wir das besser könnten als unserer Verkäufer / Einkäufer, würden wir das ja auch machen.

      Aber zum Glück war das ja nur ein fiktives Beispiel. Fehler kommen bei FRoSTA grundsätzlich nicht vor. Von daher entfällt natürlich auch die Schuldfrage.

  • Verhalten ändern.

    1.) Loben und Anerkennung einführen. Kleine Dinge, nix großes.

    2.) als Beispiel vorangehen. Fehler eingestehen, Kopf nicht abgerissen bekommen, Mut machen.

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