Ökozertifizierung von Fischen?

Jürgen Marggraf, Vorstand Produktion und Technik

Delegationsbesuch des Agrar- und Fischereiattachées der ständigen Vertretung Österreichs bei der Europäischen Union in Bremerhaven

Wir durften gestern in unserem Bremerhavener Betrieb den Agrar- und Fischereiattchée, Frau Claudia Koreimann, zusammen mit Vertreterinnen des Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz begrüßen. Neben einer intensiven Betriebsführung ging es darum, Probleme und Fragen der Fischindustrie zu diskutieren und Praxisinformationen zu den aktuellen Themen der Fischwirtschaft auszutauschen.

Ein ganz interessanter und auch langer Diskussionspunkt war die Fragestellung der von der EU geplanten Ökozertifizierung von Seefisch und Fischen aus Aquakulturen. Hier werden aktuell innerhalb der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union sehr unterschiedliche Positionen eingenommen, je nachdem, ob ein Land noch eine große Fischerei betreibt oder eher ein Verbraucherland ist. Die geplante Ökozertifizierung von Seefisch und Fischen aus Aquakultur soll die Nachhaltigkeit und bestandserhaltende Vorgehensweise von Fischereien (Seefisch) dokumentieren und bei der Produktion von Fischen aus Aquakultur die Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit testieren.

Nun vertreten Länder, die große Fischereien betreiben (wie z. B. Großbritannien, Spanien, Portugal) eher die Position, dass die bestehenden Fischereien bereits auf Nachhaltigkeit ausgelegt sind und keine zusätzlichen Zertifizierungen oder Auflagen erforderlich sind, da hierdurch nur der Verwaltungsaufwand erhöht wird, aber keine weiteren Verbesserungen des Bestandsmanagements zu erwarten wären.

Vertreter, die eine solche Ökozertifizierung unterstützen, argumentieren damit, dass das bestehende Bestandsmanagement noch nicht ausreichend sei und nach wie vor die Kontrollen insbesondere auf See zur Einhaltung der Quoten und des Beifanges nicht ausreichend sind, so dass eine zusätzliche Zertifizierung von Fischereien und das Ausstellen eines Ökolabels durchaus positive Einflüsse haben würde. Insbesondere für die Verbraucher würde durch eine entsprechende Kennzeichnung auf der Verpackung eine Hilfestellung für die Auswahl von Produkten, die aus zertifizierten Fischereien stammen, erfolgen. Ähnliches gilt für Fische, die aus Aquakultur stammen, d. h. dass hier entsprechend eine umweltverträgliche Aufzucht erfolgt und entsprechende Standards bei der Aufzucht der Fische eingehalten werden, beginnend von der Fütterung bis hin zur Lösung von negativer Beeinflussung der Umwelt, die durch Sedimente und Exkremente der entsprechenden intensiven Tierhaltung entstehen.

Es wäre nun sehr interessant, einmal zu hören, wie unsere Verbraucherinnen und Verbraucher eine solche Ökozertifizierung von Seefisch bzw. von Fischen aus Aquakultur betrachten und ob ein quasi staatliches Zertifizierungslabel auf der Verpackung eine Orientierungshilfe beim Einkauf darstellen würde. Wir sind sehr gespannt auf Ihre Meinungen.

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Jürgen Marggraf (Vorstand)

Jürgen Marggraf (Vorstand)

17 KommentareSchreibe einen Kommentar

  • … Teamwork ist alles ;))
    Sorry für alle, das ist ein nicht auf den sachlichen Inhalt bezogener Insider.

    Nun aber im Ernst. In dem Zusammenhang würde auch mich interessieren, ob und wie wichtig ist Ihnen die MSC-Qualität die wir für einige unserer FRoSTA Markenprodukte in Bezug auf den Fisch einsetzen? (z.B. FRoSTA Paella, FRoSTA Fischer Pfanne Portofino, FRoSTA Tagliatelle Wildlachs,…)

  • Also mir ist es ehrlich gesagt total egal, wo und wie die Fische aufgezogen und gefangen werden – hauptsache, es schmeckt mir und der Preis stimmt! Und da in Fertiggerichten ja sowieso nicht das allerbeste Zeugs drin ist, nimmt Euch doch eh keiner die MSC-Qualität ab…

  • @ Betty
    Interessante Sichtweise aber genau darin liegt der Unterschied. Was die Anderen in ihre Fertiggerichte tun können wir auch nicht immer nachvollziehen.
    Aber bei uns schon!!! Zum Einen weil bei uns alle Zutaten auf der Verpackung stehen und zum Anderen weil wir auch die beschriebenen Qualitäten einsetzen, auch wenn es manchmal gar nicht so einfach ist die Rohwaren zu beschaffen (Danke an den Einkauf).

  • Meinereiner achtet beim Einkauf schon stark auf das MSC-Siegel – und kauft deswegen wieder Iglo-Fischstäbchen. Bei der Produktvielfalt, die man im Supermarkt vorfindet, bin ich für jedes Qualitätsprädikat dankbar, das mir die Auswahl erleichtert. Ich gehe davon aus, dass ein Hersteller, der auf die Umwelt achtet, auch auf das Wohlergehen seiner Kunden bedacht ist.

    @Betty:

  • nun, das Problem der Zertifizierungen dürfte wohl weniger die Auswahl sein, sondern eher das Vertrauen. Was nützt es dem Verbraucher, wenn auf der Verpackung massig Qualitätsstempel zu finden sind, aber niemand wirklich daran glaubt, dass sie auch was bewirkt haben?

    Auch gerade beim Frosta-Reinheitsgebot bekomme ich immer wieder zu hören: „Erzählen können die viel…“ Natürlich könnt ihr das, aber wem darf der Verbraucher vertrauen?

    Ein wunderschönes Beispiel ist doch das Fleischskandal in der Vergangenheit. Bisher hieß es immer, dass man alles gut kontrolliert, und doch taucht plötzlich sowas auf. Welcher verbraucher soll dann noch an die „Qualitätsstandards“ glauben?

  • Sehr schön ausführlich beschrieben. Nun, ich schließe mich Betty keineswegs an. Ich achte sehr auf das, was in meinem Essen drinsteckt, drum gibt’s bei mir keine Billigfertigtüten mehr, sondern nur noch FRoSTA oder selbst gekocht.

    Nundenn, zurück zum Fisch: Rico hat natürlich Recht. Eine mit Zertfikaten zugepappte Packung wirkt auch nicht sonderlich vertrauenserweckend. Lieber wären mir persönlich von vorn herein geregelte und manifestierte „Unekligkeit“ des Essens, d.h., kein Gammelfleisch, kein Antibiotikum mit Fischgeschmack, kein pestizidverseuchtes Gemüse, kein Chemiefraß und Essen, bei dem ich als Versuchskarnickel für Gentechnik diene, (Siehe Greenpeace), so dass man die ganzen Zertifikate eigentlich nicht braucht – höchstens eins, dass wirklich und objektiv garantiert, dass das Essen auf „ganzheitlicher“ Ebene sauber ist. Die zuverlässige Version des bereits bestehenden Biosiegels eben.

  • Sehr schön ausführlich beschrieben. Nun, ich schließe mich Betty keineswegs an. Ich achte sehr auf das, was in meinem Essen drinsteckt, drum gibt’s bei mir keine Billigfertigtüten mehr, sondern nur noch FRoSTA oder selbst gekocht.

    Nundenn, zurück zum Fisch: Rico hat natürlich Recht. Eine mit Zertfikaten zugepappte Packung wirkt auch nicht sonderlich vertrauenserweckend. Lieber wären mir persönlich von vorn herein geregelte und manifestierte „Unekligkeit“ des Essens, d.h., kein Gammelfleisch, kein Antibiotikum mit Fischgeschmack, kein pestizidverseuchtes Gemüse, kein Chemiefraß und Essen, bei dem ich als Versuchskarnickel für Gentechnik diene, (Siehe Greenpeace), so dass man die ganzen Zertifikate eigentlich nicht braucht – höchstens eins, dass wirklich und objektiv garantiert, dass das Essen auf „ganzheitlicher“ Ebene sauber ist. Die zuverlässige Version des bereits bestehenden Biosiegels eben.

  • Moin!

    Gerade beim Fisch wäre mir persönlich Hinweise auf eine nachhaltige Befischung wichtig. Wenn man mal so durch die Pressewelt schweift, dann liest man ja nun viel zu oft von Überfischung und Zusammenbrüchen von Beständen!

    Macht das mal ruhig, da schmeckt Frosta dann bestimmt noch besser:-)!
    Gruß Matthias

  • Hallo,

    eine zentrale Frage aus meiner Sicht ist, wie bekomme ich die Information über das was die Zertifizierung bedeutet in eine kompakte, „leicht verdauliche“ Form. Es soll ja nicht nur für die hochinvolvierten und informierten Kunden eine Bedeutung haben, sondern für möglichst viele. Dann müßten natürlich z.B. hier auf der Website weitergehende Informationen abrufbar sein. Ich denke viele Hersteller sind viel zu optimistisch, was die Annahmen über die Informiertheit ihrer Kunden und ihre Bereitschaft zur Beschäftigung mit produktbezogenen Informationen angeht.

    Gruß
    Kaix

  • UNBEDINGT kennzeichnen!!!
    Ich würde wirklich zu gern wissen, woher der Fisch kommt, den ich esse (an der Fischtheke wie aus der Tüte). Dann könnte ich nämlich den Fisch aus umweltverträglich betriebenen Zuchtanlagen auswählen.

  • Halo Herr Marggraf,

    gerade habe ich einen Bericht über das TTZ in Bremerhaven gesehen.
    Gibt es eigentlich eine Kooperation mit dem Institut ???
    Hier sollte doch noch gewaltiges Potential für Innovationen gegeben sein.

    Ist da eine Umsetzung auch in den Produktbereich geplant ???
    Beste Grüße
    Mirco

  • MSC hin oder her – die Zukunft steckt in der nachhaltigen Fischzucht (Pfl. Futterprotein!), und zwar in Kreislaufanlagen die die Umwelt nicht direkt belasten. Norwegen hat dieses JAhr zum ersten mal mehr Zuchtlachs (Netzkäfig) als wild gefangenen exportiert, dasselbe wird mit Dorsch und Seelachs in ein paar Jahren geschehen. Die Preise klettern (LAchs auf 10 Jahres Rekord momentan) und die Leute werden bewusster Fisch essen. Ein einheitliches Siegel für nachhaltig produzierte Fische ist unumgänglich

  • Da möchte ich mich dem Kommentar von Michael anschliessen. Kürzlich gab es zu diesem Thema einen interessanten Beitrag im Fernsehen. Umweltverträgliche Produktion von Lebensmitteln sollte stärker in unser bewußtsein rücken.
    Gruß, Klaus.

  • Also mir ist auch nicht egal was ich esse und wer vergleicht weiß auch das z.B. Frosta Nasi Goreng oder Iglo Fischstäbchen meistens doch besser schmeckne als die
    No-Name Konkurenz. Und dies hängt bestimmt auch mit der Auswahl der Zutaten zusammen!

    Liebe Grüße
    Anke Richter

  • Wenn ein Qualitätssiegel gegeben ist, und dabei steht was es bedeutet, also z.B. Fisch aus Zucht, von X getestet Ergebnis gut/sehr gut, dann bevorzuge ich dieses Produkt natürlich.
    Allerdings zähle ich mich eher zu den informierten Verbrauchern, parallel dazu solltet ihr also dafür sorgen, dass die Allgemeinheit ein solches Prädikat auch zu schätzen weiss und danach sucht.
    Das geschieht z.B. durch entsprechende Berichte über die Überfischung, bzw. die verseuchte Ware die teilweise angeboten wird.

    Zum Thema Glaubwürdigkeit: Bleibt bei eurer klaren Strategie, macht mit dieser mehr Öffentlichkeitsarbeit. Überlegt mal wer sind eure potentiellen Kunden, wo treiben sie sich rum?
    Ich bin Student -> wenig Zeit zum Kochen, lege Wert auf gutes Essen ohne Zusatzstoffe.
    Wie kann es sein, dass ich heute zum ersten mal von Frosta höre, nicht im Zusammenhang mit Essen, sondern über das Thema Blogs?

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